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Waischenfeld in Prosa des 19. Jahrhunderts

Die Höhlen um Waischenfeld
Ortsteile Waischenfelds in Prosa des 19. Jahrhunderts
Verwendete Literatur

 

Die Höhlen um Waischenfeld - Beitrag zur Vorgeschichte.

Die Fränkische Schweiz, bekannt als Land der Burgen und Höhlen, ist eine Gegend Frankens, die besonders durch ihre außergewöhnliche Landschaft ins Auge fällt. Ihre "Visitenkarte" sind die engen, tiefen Schluchten, bestückt mit steilen felsigen Hängen, die im 18./19. Jhd. noch kahl, - heute mit dichtem Mischwald bepflanzt sind. In den kurvenreichen Wiesenttälern, mäandern kleine Flüsse die meist dem Tal ihren Namen gaben. (Wiesent - Zeubach - Aufseß - Tal). So war es denn kein Wunder, daß schon bald nach Beendigung der unruhigen Kriegszeiten, der wirtschaftliche Aufschwung es dem Menschen erlaubte, in der Freizeit kleinere Reisen zu unternehmen.

In der zweiten Hälfte des 18, Jhd. kamen die ersten Gäste auf Pferden, mit der Kutsche angereist, die Merkwürdigkeiten der Fränkischen Schweiz zu erkunden. Besonders die Überreste von 143 Burgen und Burgställen, noch mehr aber die unergründlichen Tiefen von Grotten und Höhlen fanden ihre Bewunderer. Schon 1774 beschrieb ein Pfarrer aus Uttenreuth bei Erlangen seine Funde in Höhlen um Muggendorf. Der Mann hieß Johann Friederich Esper, sein Werk: "Ausführliche Nachricht von neu entdeckten Zoolithen unbekannter vierfüßiger Thiere, und denen sie enthaltenden, so wie verschiedenen andern denkwürdigen Grüften der Obergebürgischen Lande des Markgrafthums Bayreuth". Schon kurz nach Erscheinen des Werks, (das auch ins französische übersetzt wurde) machten sich Forscher aus allen Teilen der Welt auf, die Gegend um Muggendorf, besonders aber die Höhlen des "Muggendorfer Gebürg" ob ihrer urgeschichtlichen Funde zu untersuchen. In Muggendorf wurde eigens ein Höhlenführer (ein Herr Wunder) installiert, der die Aufgabe hatte, orts unkundige Gelehrte zu leiten und aufzuklären.

Der Forscherdrang war so mächtig, daß bald nach den bisher bekannten Höhlen, z.B. Schönsteinhöhle, Witzenloch, Brunnsteinhöhle, neue unterirdische Grüfte entdeckt und erforscht wurden (z.B. 1793 die Rosenmüllershöhle, 1905, die Binghöhle, Försterhöhle, und 1833 die Sophienhöhle.)

Bis heute sind im Höhlenkataster der Fränkischen Schweiz etwa 1000 Höhlen verzeichnet, ein Ende ist nicht abzusehen. Zusammen mit der Hersbrucker Schweiz gehört die Fränkische Schweiz zum größten zusammengehörigen Höhlengebiets Deutschlands.

Aufgaben und Ziele der Vorgeschichtsforschung

Die Vorgeschichte hat die Aufgabe, mittels archäologischer Quellen den Versuch zu unternehmen, Geschichte für eine schriftlose Zeit zu schreiben. Das Problem wird deutlich, wenn man sich klar macht, daß wir außer einem relativ geringen Ausschnitt an materiellen Gütern fast nichts besitzen, was uns weiterhelfen könnte. Wir wissen weder wie die Völker hießen, noch in welcher Sprache sie sich unterhielten. Wir kennen nicht ihre mündlich tradierte Literatur noch ihre Musik, weder ihre Tänze noch die Namen und die Funktion ihrer Götter. Wir wissen so gut wie nichts über die Völkerwanderungen, die es früher schon gegeben hat über politische Strukturen und religiöse Vorstellungen; ja, wir kennen noch nicht einmal ihre Häuser (von Grundrissen abgesehen), ihr Mobiliar und ihre Kleider! Dennoch muß ein Versuch mit dem verbleibenden Material gewagt werden. (Aus: Björn-Uwe Abels, in: Ofr. In Vor- und frühgeschichtlicher Zeit, Bamberg 1986, Seite 72).

Übersicht der bisher wichtigsten Grabungen in der Gemeinde Waischenfeld.

Die Geudensteinhöhle bei Gösseldorf
nach Christian Züchner, Erlangen

1970 grub erstmals M.Geyer auf der Suche nach einem neuen Höhlensystem in der Geudensteinhöhle, Als beiden Arbeiten vorgeschichtliche Scherben auftauchten, stellte man die Grabungen ein. 1976/77 im Winter wurde erneut eine Grabung begonnen, mit M.Geyer, C. Züchner und anderen. Gefunden wurden dabei: Menschenknochen, versteinerte Fauna, Tontöpfe, Schüsseln, Tassen, insgesamt rund 20 Gefäße, die aufgrund des guten Erhaltungszustandes und der seltenen Gefäßtypen, eine hervorragende Bedeutung für die schlecht erforschte innere Fr. Schweiz sind. Die Hohlräume eigneten sich nicht zur Behausung, da sie bereits während der Urgeschichte weitgehend mit Schutt verschlossen waren. Die gefundenen Menschenknochen und Haushaltsgegenstände legen die Vermutung nahe, daß diese Höhle eine Begräbnisstätte war.

Der älteste Fund war ein Fußbecher des ausgehenden Neolithikums, etwa 2000 Jahre alt.

Ein Großteil der geborgenen Keramik gehört - wie in vielen Höhlen Frankens - in die Hallstattzeit (ältere Stufe der mitteleuropäische Eisenzeit) ca. 750-450 und in die Frühlatenezeit, Stufe A, ca.500-400. v Uhr,

Nach der Frühlatènezeit geriet die Höhle in Vergessenheit, Schutt hatte die Höhle verschlossen. Nur eine Eisenschnalle und einige Scherben aus dem Spätmittelalter (1300-1500 n.Chr.) belegen einen kurzen, späteren Besuch. Die Höhle ist heute verschlossen.

Die Schäfersteinhöhle bei Waischenfeld.
Dr. Christian Pescheck, Würzburg, 6.5.1959

04.-17.09.1954, Vorgrabung von K.H. Bauer, Bamberg, und Prof. Dr. F. Heller.
18.-20.10.1956, Nachgrabung von Baurat a.D. Dr.h.c. Adam Stuhlfauth, Bayreuth.
30.09.-10.10.1957, Grabung von C. Pescheck, K.H. Bauer, (Fotos), Prof. Heller, Dr. B. Spörlein. Die Höhle wurde erstmals erwähnt um 1500, im: "Gemeiner statt Urbarium" (.. Item zwey tagwerg veldß am greynner bey des Scheffers loch..)
Der Schäferstein besteht aus mehreren Höhlen, Grotten und Felsdächern. Die große Höhle und eine Grotte wird überspannt von einem 14 Meter breiten Felsriff. Der Höhleneingang ist 1,80 m hoch, die Höhle selbst 5x5,5m groß.

Gefunden wurden Pfeilspitzen aus Plattenhornstein der Jungsteinzeit (4000-1 800), Scherben aus der Urnenfelderzeit (1200-800), und zahlreiche Absplisse (Abfall beim Herstellen von Geräten aus Hornstein) Außerdem fanden sich zahlreiche Tierknochen von Bär, Luchs, Bison, Fischen und Vögeln die teilweise auch der vorgeschichtlichen Zeit angehören.

Auch eine Feuerstelle des Mesolithikums (Mittelsteinzeit, 8000-5000 v.Chr.) wurde entdeckt und untersucht.

Die Lochhöhle bei Nankendorf

1937 Vorgrabung A. Stuhlfauth. 1955 Hauptgrabung A. Stuhlfauth Zu den ältesten Funden in der Höhle gehörten Steinwerkzeuge, wie Klingen mit Spitze und einseitigen Kerben aus der Altsteinzeit, ca.15 000-9 000.

Knochenwerkzeuge, Hirschgeweihsprossen, bearbeiteter Biberzahn(Fragment) bilden den Abschluß der mesolithischen Besiedlung. Mittelsteinzeit, ca. 6000, Auch Feuerstellen aus der frühen Mittelsteinzeit, ca.7000 gehörten zu den Funden.
Des weiteren fand sich ein Stück Eisensandstein das zum Pfeil- oder Stabglätten verwendet wurde, stammend aus der Jungsteinzeit, ca. 4500-1800.
Aus der Urnenfelderzeit ca. 1200 -800 stammen gefundene Scherben von Tongefäßen.

Silbergoldsteinhöhle im alten Graben bei Gösseldorf

1951 + 1954 Grabungen von A. Stuhlfauth.

Gefunden wurden Schalen, Töpfe, Urnen, Eisenmesser, Eisenringe, Porzellanschnecken vom Mittelmeer, Knochen und Höhlenbärenzähne. All diese Funde stammen aus der Frühlatènezeit ca. 500-400 v. Chr.
Außerdem fanden sich Hornsteinwerkzeuge aus der Jungsteinzeit, 4500-1800.

B e s o n d e r h e i t:
Es fanden sich menschliche Skelettreste die man Dr.med.dent, Benedikt Spörlein (Waischenfeld) zum Begutachten übergab. Er fand heraus, daß die Knochen zu vier Kindern gehören. Drei davon sind Neugeborene, daß vierte Kind war ein fünfjähriges Mädchen. Aus dem Mittelalter (ca.1300) wurden noch zahlreiche Feuerstellen festgestellt.


Höhle oberhalb der Stadtpfarrkirche in Waischenfeld

1943 im Mai und Oktober wurden von A. Stuhlfauth unter Mitarbeit von Dr. Benedikt Spörlein in der Höhle Grabungen vorgenommen.

Die Höhle besteht aus zwei miteinander in Verbindung stehenden Öffnungen an der Außenseite des Felsmassivs, das die darüberliegende Burgruine der Schlüsselberger trägt. Die Haupthöhle zieht sich mit einem darüberliegenden Raum, enger werdend in das Bergmassiv.

Die rechte Öffnung wurde in der Frühlatènezeit als Wohnhöhle genutzt. Dieser Raum ist etwa 4x6m oval - rund. Die Höhe der Höhle an der Außenwand beträgt 8-10 m. In der Mitte dieses Raumes befindet sich eine Feuerstätte, bestehend aus durch und durch rot gebrannten Kalkplatten. Gefunden wurden Tierknochen von Schwein, Rind, Reh, Hirsch und Vögeln.Die Keramik bestand aus hartgebrannten Schalen, mittelalterlicher Keramik, Wetzsteinen und Spinnwirteln. Die Fundmasse gehört in die Frühlatènezeit, etwa 500-400 v.Chr. Aus der Stein-und Bronzezeit wurden keine Funde gemacht. Nach der Menge der gefundenen Gegenstände diente die Höhle einer ganzen Sippschaft zur Wohnung.

Grabhügel am Löhlitzer Anger.

von Paul Reinecke, 1957.

1808, Dr. G.A.Goldfuß (Geologe) findet 30 Grabhügel - wovon 2 geöffnet wurden. Gefunden wurden Urnen, Bracteaten (Münzen).

1810. Graf Georg von Münster findet Erznadeln, Menschenschädel,Knochen.

1810. Dr. Ness findet metallene Armspangen - Ringe und ein Skelett.

1819. Dr. E. Pingel (Dänemark) findet eine Bronzeschale und Hallstadtgeschirr.

1827. Joseph Heller findet eine Hallstadtfibel, Armringe aus Bronze, Töpfe.

1828. Joseph Heller findet Hals - Armringe, Töpfe etc.

Nach all dem was bisher über die Funde bekannt geworden ist, handelt es sich bei den Löhlitzer Grabhügeln um Hallstadtzeitgräber (Frühe Eisenzeit) etwa 800-500 v.Chr.

Z u s a m m e n f a s s u n g .

Betrachten wir nun die Summe der zusammengetragenen Funde wird folgendes deutlich:
Das Wiesenttal bei Waischenfeld war während der Altsteinzeit (2 000 000 - 8 000) wenig besiedelt. Es fanden sich nur Gegenstände aus der Lochhöhle bei Nankendorf.

Stärkere Besiedlung erfolgte dann in der Mittelsteinzeit (8 000-4 000). Hier fanden sich Feuerstellen in der Schäferhöhle, sowie Werkzeuge in der Lochhöhle.

Am dichtesten besiedelt war die Gegend um Waischenfeld in der Jungsteinzeit Bronzezeit und Eisenzeit (4 000 - O). Besonders die späte Eisenzeit, die Latenèzeit, brachte einen reichen Schatz an geborgenen Gegenständen. Alle untersuchten Höhlen weisen Funde aus diesem Zeitausschnitt auf.

Das Ergebnis dieser Untersuchungen muß aber auch unter folgenden Aspekt gesehen werden: Die Tatsache, daß verhältnismäßig wenig Gegenstände aus der Alt - und Mittelsteinzeit stammen, kann damit zusammenhängen, daß während dieses sehr langen Zeitraumes (2 Millionen Jahre) die Witterung einen Großteil der vorhandenen Gegenstände zerstören Konnte, auch wenn sie in Höhlen lagen. Die Erkenntnis, daß aus der Jüngsten vorgeschichtlich en Zeit, nämlich der Latènezeit (500-0 v.Chr.) die meisten Funde stammen, untermauert diese Annahme.

Weitere Höhlen in der Flur der heutigen Gemeinde Waischenfeld.

Zusammenstellung nach K. Schwarz. Die Vor-und frühgeschichtlichen Geländedenkmäler Oberfrankens. Kallmünz 1955.

F r a n z o s e n l o c h . 1100 m sö von Heroldsberg. Im oberen, steil abbrechenden NW-Hang des Wiesenttales. Etwa 50 m über der Talsohle und gegen 15 m unterhalb der Jurahochfläche. In Dolomit. Eingang nach SSO; etwa 4,5 m breit und 2 m hoch. Der tunnelartige Innenraum zieht sich etwa 10 m in den Berg hinein und setzt sich von dort aus unter spaltenartiger Verengung mit mehrfachen Knicken weiter fort. Vorplatz etwa 1 m breit. Untersuchung 1924 (Schrüfer). Verbleib und Zeitstellung der Funde unbekannt.

Z w e i G r a b h ü g e l im Eichig, Ortsflur Saugendorf. 900 m sö von Saugendorf und 1700 n ö von Gösseldorf. Auf dem Dolomit der Jurahochfläche, etwa 50 m von der oberen Abbruchkante zum Wiesenttal entfernt. Steinhügel, in der Nähe Lesestinhaufen. Das 1878 von H. Hösch untersuchte Grab ließ sich nicht lokalisieren, doch muß es in unmittelbarer Nähe gelegen haben. Funde der jüngeren Hallstattzeit und Früblatenezeit.

Z w e i H ö h l e n im Pfarrgarten in Waischenfeld, unmittelbar südl. des Pfarrhauses. Die beiden nahe beieinander liegenden Höhlen befinden sich in mittlerer Höhe einer nach Nord gerichteten Dolomitwand, in einem von Westen der Wiesent zu führenden Trockental. Eingänge nach Nord weisend. Die obere, etwa 5 m lange, 1 m breite und 1 m hohe Höhle setzt seitlich an einem Abris an; letztere ist etwa 3-4 m hoch und breit.

Die zweite Höhle liegt etwa 5 m tiefer. Von einem kleinen Eingang erweitert sie sich bis zu einem bis 3 m hohen, Zimmer großen Innenraum. Grabung 1924 (von unbekannt) . Scherben fraglicher Zeitstellung.

Höhlenbeschreibungen des 19. Jahrhunderts.

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Ortsteile Waischenfelds in Prosa und Poesie des 19. Jahrhunderts

von Johann Baptist Roppelt
(Aus: Historisch- topographische Beschreibung des Kaiserlichen Hochstifts und Fürstenthums Bamberg. Verfaßt von Johann Baptist Roppelt, Prof. der Mathematik in Bamberg. Zweyte Abtheilung - südlicher Theil, Seite 460 - 479. Nürnberg 1801.)
Amt Waischenfeld.
Dieses Amt hat mit Hollfeld den nämlichen Oberamtmann und wird nebst diesem von einem besonderen Amtsvogt, der zugleich Kastner, Steuer- und Umgeldeinnehmer ist verwaltet. Es hat zum Teil sehr bergige Gegenden, aber doch überflüssigen Feldbau, gute Rindvieh-und Schaafszucht, womit es in das Ausland Handel treiben kann.

W e i s c h e n f e l d

amt Waischenfeld Ein Munizipalstädtchen am Wiesentfluß 5 Meilen von der Residenzstadt gegen Morgen zwischen zweyen hohen Felsenbergen gelegen. Es rührt von dem Grafen von Schlüsselberg her, von welchem es im Jahre 1347 dem Hochstift heimgefallen ist. Im Jahre 1315 wurde vom römischen König Ludwig dem Bayern, dem damaligen Dorfe Weischenfeld das Marktrecht gleich der Stadt Bamberg verliehen. Daselbst ist nun ein Bambergisches Zent,-Vogtei,-Kasten-,Steuer- und Forstamt. Die Geistlichkeit ist ebenfalls bambergisch und eine besondere fürstliche Pfarrey allda. Der Stadtpfarrer genießt zugleich das Frühmeßbenefizium; nebst diesem ist auch ein Benefizium St. Ulrich hier. Die Pfarrkirche zum hl. Johannes, wobey eine Kapelle zur hl. Anna ist, der wohlerbaute Pfarrhof und das Schulhaus stehen am Berge. Das alte ehemalige Schloß befindet sich auf einem großen Felsen hoch erbauet und soll ehedem ein Heidentempel gewesen sein, jetzt dient es zu einem herrschaftlichen Getraidboden. Gleich dabey steht das neue Oberamthaus mit Stadel und verschiedenen anderen Oekonomiegebäuden. Der Kastenhof, sonst Mönchshof genannt, nebst Stadel und Nebengebäuden ist das erste Haus oben am Wiesentfluß und das Forsthaus mit Scheuer und anderen Gebäuden das letzte unter der Vorstadt. Da Städtchen selbst hat noch zwey Thore. In der Mitte ist das Rathaus, und besteht der dasige Bürgerratth aus einem regierenden Bürgermeister, einem Stadtschreiber und 10 Rathsverwandten. Bürgermeister und Rath hat in dem Städtchen und soweit außerhalb gewisse Markzeichen oder sogenannte Schranken gehen, die Vogteilichkeit, das hochfürstliche Oberamt aber den Vorsitz bey den Rathssitzungen und in Abwesenheit des Oberamtmann ein zeitiger Amtsvogt. Die Stadtkapelle zu St. Michael hat die dasige Bürgerschaft von ihren eigenen Mitteln aus Andacht erbauen lassen. Das Spital hat Erhard von Rabenstein, Domherr und Obristschenkmeister zu Bamberg, im Jahre 1524 für sieben arme Personen gestiftet, wovon 2 ein jedesmaliger Landesregent, 2 das Domkapitel zu Bamberg und die drey übrigen Pfründen Bürgermeister und Rath zu Weischenfeld zu vergeben haben und soll nach ausdrücklicher Vorschrift des vorhandenen Fundationsbriefs keiner aufgenommen werden können, der das Vaterunser, den englischen Gruß und Glauben nicht beten kann. Die Häuser sind enge aneinander gebaut, die Städel aber befinden sich ausserhalb des Städtchens, und bey einer Mühle geht eine hölzerne Brücke über den Wiesentfluß, welche die Vorstadt mit der Stadt verbindet.

Unter anderem ist sehenswürdig der sogenannte Steinerne Beutel, ein auf einem 40 Schuh hohem Felsen noch 30 Schuh höher erbauter runder Thurm, der keine Treppe, sondern in der Höhe ein eisernes Thürlein und einen Flaschenzug hat und vor alters zu einem Gefängnis gedienet haben meg. Der Hauptnahrungsstand der Einwohner sind die Gewerbschaften und der Ort zählt über 60 Professionisten. Jeder Bürger hat das Bräurecht und einen privilegierten Bier und Handelszwang auf 2 Stunden Wegs umher, auch ist der Feldbau auf den steinigen Bergen nicht zu vergessen. Die vielen Hutrangen deren kurzes Gras sehr nahrhaft und gesund ist, ernähren Schaafe, Geiße und anderes Vieh. Das übelste aber ist, daß man von Bamberg her nicht ohne Gefahr in das Städtchen fahren kann. Der Zehend allda hat verschiedene Besitzer, das Kastenamt Waischenfeld hat den halben Theil des großen Zehends, den anderen halben Theil das Gotteshaus und genießt solchen der Kirchner statt der Besoldung. Einen anderen kleinen Zehend, ebenfalls dem Gotteshaus zuständig, genießt der Stadtpfarrer, von einem andern Zehend genießt ¼ das Gotteshaus, die anderen ¾ zwey bürgerliche Familien. Das Städtchen hat außer obengenannten öffentlichen Gebäuden ein Hirtenhaus, ein Gemeindebräuhaus, ein Wirtshaus, 109 andere Häuser, 17 Stadel, 16 Hofstätte, eine alte Pfarrhaushofstatt am hinteren Thor, worunter ein Keller und darauf ein geringes Haus gebauet ist, und eine Mühle mit 4 Mahlgängen und einem Schlaggang am Wiesentfluß.

B r e i t e n l e s a u

Daselbst ist die hohe Zehend dem Bambergischen Amte Weischenfeld, die Dorfs,-und Gemeindeherrschsft aber nebst den übrigen Gerechtsamen dem Bayreuthischen Amte Streitberg zuständig. Ein einziger mit Haus und Stadel bebauter Hof gehört mit der Steuer und Vogteilichkeit dem Amte Weischenfeld. Der Ort ist in die Bambergische Pfarrey Hochstahl eingepfarrt. Vom Zehend gehört ein Theil der Probstey St. Gangolph zu Bamberg, ein Theil dem Gotteshaus St. Martin zu Nankendorf, dann ein besonderer kleiner Zehend dem Pfarrer zu Weischenfeld.

G ö s s e l d o r f

Gehört mit der Zent, Territorium, Dorfs-und Gemeindeherrschaft zum Amte Weischenfeld, mit der Geistlichkeit nach Nankendorf. Es sind verschiedene Lehen hier, auf welchem jeder Herrschaft die Vogteilichkeit auf den vier Pfählen zusteht, als: 1 Bayreuthisches häusliches Lehen zum Amte Streitberg, 4 Stauffenbergische und 6 Rabenstein-Rabeneckische, dermalen Graf von Schönbornische. Das Hirtenhaus und 4 mit Städeln versehene Häuser sind dem Amte Weischenfeld vogtei-und steuerbar. Den Zehend besitzen zu ¾ die von Kargischen Erben, zu ¼ eine bürgerliche Familie. Ein anderer kleiner Zehend im unteren Dorfe gehört dem Domkapitel zu Bamberg.

G u t e n b i e g en

Liegt eine viertelstunde oberhalb Weischenfeld, ist demselben Amte in allem unterworfen und besteht in einer stattlichen Mahlmühle und Schneidemühle, welche von dem Wiesentfluß getrieben wird. Mitten auf der dortigen Wiese befindet sich ein kleines Schloß mit mehreren dazu gehörigen Grundstücken, welches von den Herren von Eyb herrührt und dermalen von einem dem Amte Weischenfeld steuerbaren Unterthanen besessen wird. Nebst diesem ist noch ein anderer Bambergischer häuslicher Unterthan hier. Die Besitzer sind insgesamt nach Weischenfeld gepfarrt.

H a m m e r m ü h l

liegt gleich unterhalb Weischenfeld am Wiesentfluß und sind 2 aneinander stehende Mühlen, die mit allen Gerechtsamen dem gemeldten Amte unterworfen und auch nach Weischenfeld gepfarrt sind.

H a n n b e r g

liegt ¾ Stunden von Weischenfeld auf der Anhöhe bey Zeubach hinauf und hat 13 fremdherrliche häusliche Unterthanen, die ihren Lehenherren auf den vier Pfählen vogteibar sind. Die Zent-Dorfs-und Gemeindeherrschaft, wie auch die Vogteilichkeit außer den fremdherrlichen 4 Hauswänden, nebst allen Gerechtsamen zu Dorf und Feld soweit sich die Flurmarkung erstreckt, stehen dem Amte Weischenfeld zu und sind die Einwohner insgesamt nach Nankendorf gepfarrt. Das Gemeindehirtenhaus, 5 Häuser 3 Städel und eine Hofstatt sind dem Amte Weischenfeld Vogtei- und steuerbar.

H e r o l d s b e r g

Ist ganz Bambergisch und gehört mit aller hohen und niederen Gerichtsbarkeit zum Amte Weischenfeld. Die Einwohner sind nach der ehemaligen Pfarrey, nun Filialkirche Nankendorf gepfarrt. Der Zehend gehört zur Hälfte dem Spital zu Scheßlitz, zur anderen Hälfte dem Grafen zu Schönborn zu Weyer. Ein Hirtenhaus, 10 mit Haus und Stadel bebaute Güter und eine mit Haus, Stadel und Schaafhütte versehene Schäferey, welche gemeldter Herr Graf von Schönborn zu Weyer besitzt, sind dem Amte Weischenfeld mit andern Gütern steuerbar.

H u b e n b e r g

Gehört mit Territorium, Zent und aller anderen Gerichtsbarkeit zum Amte Weischenfeld, die Geistlichkeit nach Nankendorf, der Zehend dem Pfarrer zu Weischenfeld. Der Ort hat ein Gemeindehirtenhaus, 20 mit Städeln versehene Häuser und eine Haushofstatt mit einem Stadel.

K ö t t w e i n s d o r f

Liegt auf einem Berge gegen Weischenfeld zu, wohin auch die hohe Zent gehöret. Die Dorfs-und Gemeindeherrschaft besitzt Herr Graf von Schönborn als Inhaber des Schlosses Rabeneck, wohin auch 15 häusliche Unterthanen gehören. Ein häuslicher Unterthan ist Trockauisch. 5 mit Haus und Stadel bebaute Güter sind dem Amte Weischenfeld lehen-vogtei-und steuerbar. Die Geistlichkeit gehört der Pfarrey Oberailsfeld, der Zehend halb der Fürstlichen Hofkammer nach Weischenfeld ¼ dem Rittergut Rabeneck, ¼ dem Herrn von Groß zu Trockau, dann ein besonderer kleiner Zehend dem Gotteshaus zu Weischenfeld, welchen der Kirchner allda zu genießen hat

K u g e l a u

Besteht in einem Bambergischen bebauten Gütlein und einer Ziegelhütte, dann 2 bebauten Großischen Gütern, worüber diese Herrschaft die Vogteilichkeit auf den vier Pfählen hergebracht hat und liegt eine viertel Stunde oberhalb Zeubach im Grunde dieses Namens. Diese drey Gütlein, welche nach Nankendorf gepfarrt sind haben kein besonderes Gemeinderecht, sondern gehören in die Gemeinde Zeubach, mit welcher sie heben und legen, mithin alle Beschwerden tragen müssen. Das Amt Weischenfeld hat außer den vier Pfählen der zwey fremdherrlichen Güter alle Gerechtsame auszuüben. Der Zehend gehört dem Domkapitel zu Bamberg, die Geistlichkeit aber nach Nankendorf. Rechter Hand an diesem Ort den Berg hinauf hebt sich eine sogenannte Landesgemeine an und geht bis an das Arnthal gegen die Schweinsmühle, wo sich ein tiefes Thal befindet. Auf dieser Landsgemeine haben mehrere Ortschaften und Schäfereyen das Hutrecht. Hier wäre Platz zu einem neuen Dorfe. Auf der Höhe kann man das ganze Arnthal und alle darinn gelegenen vielen Ortschaften mit einem Blick übersehen, weshalb man gern bey diesen Naturschönheiten verweilet.

L a n g e n l o h e

Liegt eine Stunde von Weischenfeld gegen Rabenstein zu, Pfarrt nach Nankendorf und gehört mit dem Territorium, Zent-Dorfs- und Gemeindeherrschaft nach Weischenfeld. Von dem Zehend sind ¾ Rabensteinisch, ¼ einiger Unterthanen zuständig er wird aber ganz nach Weischenfeld versteuert. Es befinden sich hier ein Hirtenhaus und 7 mit Städeln versehene Häuser, welche ganz Bambergisch sind, dann sind noch allda 8 Rabensteinische und ein Groß von Trockauischer Unterthanen, welche Herrschaften die Vogteilichkeit auf den vier Pfählen ihrer Lehen besitzen.

L ö h e l i t z

Ein Dorf, durch das der Schmierbach läuft, der von Wohnsgehaig und der Neuenbürge herkommt. Die Zent,- Dorfs- und Gemeindeherrschaft gebören zum Amt Weischenfeld und werden von dem dasigen Vogteiamte alle Gerechtsame, soweit sich die Flurmarkung erstreckt, ausgeübt Die Einwohner sind nach Nankendorf gepfarrt. Der Zehend zu Dorf und Feld, toUt und lebendig, gebört der Fürstlichen Hofkammer, ein kleiner Zehend aber einen Unterthanen zu Mauschlitz, der mit der Steuer nach Hollfeld getogen wird. Es sind hier ein fürstliches Jägerhaus mit einer Scheuer, 2 mit Stadeln versehene Häuser und 2 Tropfhäuser, welche ganz bambergisch sind’ ferner das Gemeindehaus, 14 andere Häuser, 12 Städel und ein mit Haus und Schaafstallung bebauter Schaafhof, welche zu dem ehemals hier befindlichen , dem Hochstift aber heimgefallenen dem Rittergut Löhelitz gehören, von welchem die bestimmte Steuer an das ritterschaftliche Kassieramt entrichtet werden. Nebst diesen sind 7 Bayreuthische, 2 Trockauische und 2 Planckenfelsische häusliche Unterthanen hier, deren Lehenherren auf den vier Pfählen die Vogteilichkeit hergebracht haben. Zwischen Löhelitz und Langeweil gegen die Neubürge hinauf bis an die Bambergische Grenze gegen Bayreuth zieht sich der Bamberggische Bischofswald, der in vier Revieren, nämlich Löhelitz, Langweil, Poppendorf und Volsbach eingeteilt ist.

N a n k e n d o r f

Liegt ½ Stunde von Waischenfeld am Wiesentfluß. Die Zent, Dorfs- und Gemeindeherrschaft gehören dem Amte Weischenfeld. Die fremden Herrschaften haben die Vogteilichkeit auf den vier Pfählen ihrer Lehen. Die Geistlichkeit ist bambergisch der Ort hat eine Filialkirche zu St. Martin, wohin gegen 25 Dorfschaften und Einzeln gepfarrt sind. Die ehemalige Pfarrey wird jetzt von Waischenfeld aus versehen. Der Zehend zu Dorf und Feld gehört dem Domkapitel zu Bamberg. Der Ort hat ein Gemeindehirtenhaus, 2 mit Städeln versehene Häuser, 3 Tropfhäuser und 3 Hofstätte, ferner ein mit Haus und Stadel versehene Wirtsschenke, 2 mit Stadeln versehene Häuser und ein Tropfhaus, welche mit dem adelichen Rittergut zu Löhelitz dem Hochstifte heimgefallen sind. Sämtliche Lehen sind mit allen Gerechtsamen dem Amte Weischenfeld unterworfen. Nebst diesen sind alida 1 Plankenfelsisches, 1 Rabensteinisches und 7 Wiesenthauische häusliche Lehen. Am Grunde hinauf, stehen zu beyden Seiten sehr hohe Felsen, die man als Kunststücke der Natur betrachten kann. Einer der größten heißt Hirschstein, weil einst ein verfolgter Hirsch über denselben bis auf die andere Seite des Flusses Wiesent gesprunqen und dort verendet seyn soll.

N e u s i g

Ein kleines aber gut gebautes Dörfchen ¼ Stunde oberhalb Kugelau links dem Zeubachgrund gelegen, ist mit allen Gerechtsamen Bambergisch und nach Nankendorf gepfarrt. Der Zehend gehört dem Domkapitel zu Bamberg. Er besteht aus einem Hirtenhaus und 7 mit Städeln versehene Häusern

R a b e n e c k

Ein altes adeliches Schloß im Wiesentgrunde auf einen erstaunlich hohen Felsen gebaut, liegt ½ Stunde unter Weischenfeld, dient dermalen zu einem herrschaftlichen Gräflich Schönbornischen Getraidboden und wohnt ein Schloßwächter da, vor alters war es gut befestigt. Gleich dabey ist auf einen anderen eben so hohen Felsen eine schöne Kapelle zu St. Bartholomäus. Dieses Schloß ist Bambergisches Lehen. Von Oberailsfeld aus wird der Gottesdienst in der dasigen Kappelle verrichtet. Im Grunde, neben dem Felsen, worauf obiges Schloß steht, ist eine Mühle 2 Stockwerk hoch und einige geringe Tropfhäuser sind neben am Berge. Niemand wird es gereuen, dieses Schloß, Kapelle und Mühle gesehen zu haben. Eine gute halbe Stunde unterhalb derselben, befindet sich der sogenannte Doß, ein sehenswürdiger Wasserfall. Der Wiesentfluß stürzt sich bey 10 Schuhe hoch über den Felsen hinab, nachdem er das Flüßchen Aufsees aufgenommen, so daß beyde im Sturz herabfallen. In dieser Tiefe erheben sich Felsen von sogenannten Taugsteinen, die man zu Kirchengewölben wegen ihrer bekannten Leichtigkeit wegen gebraucht. Der von Norden kommende Wiesentfluß wendet sich hier auf einmal fast gegen Morgen. Linke Hand liegt der Bambergische Buchenwald, Bischofsberg genannt. Wer die Werke der Natur und die Einsamkeit liebt, der wird sich von dieser Gegend ungern trennen. Einene engen Grund vor sich, einen andern hinter, und einen dritten neben sich, drey Berge rundumher, mit düstern Wäldern, graue hohe Felsen, über sich den Himmel zu sehen, unter sich stark rauschendes Wasser zu hören, das erregt gewiß nie gefühlte Empfindungen und schauderhafte Furcht, wenn man allein ist und von niemand gesehen noch gehört wird.

S a u c k e n d o r f

Gehört mit allen Gerechtsamen zum Amte Weischenfeld, mit der Geistlichkeit zur Pfarrey Nankendorf, der Zehend halb dem Rittergut Rabeneck, halb der St. Barthomoläuskapelle allda. Hier ist ein Hirtenhaus, 11 mit Städeln versehene Häuser und eine Hofstatt.

S i e g r i t z b e r g

Das Territorium, die Zent, Steuer, Vogtei,- Dorfs- und Gemeindeherrschaft steht dem Amte Weischenfeld zu, die Geistlichkeit der Pfarrey Nankendorf. Der Zehend gehört zur Hälfte dem Bambergischen Domstiftsvikariat, zur anderen Hälfte dem Rittergute Plankenfels. In dem Ort sind ein Hirtenhaus und 8 mit Haus und Stadel bebaute Güter dem Amte Weischenfeld unterworfen. Ferner 2 bebaute Güter, auf deren vier Hauswänden der Besitzer des adelichen Guts Wüstenstein die Vogteilichkeit, nebst der Schaafshut wöchentlich 2 Tage auf dieser Flur hat.

Z e u b a c h

Ist ein zerstreutes Dorf ¾ Stunden hinter Weischenfeld im Grund, am Zeubachflüßchen, das nach Weischenfeld fließt. Es ist mit fremden Herrschaftsunterthanen vermischt, als : 1 Bayreuthischen, 2 Trockauischen, 7 Stauffenbergischen, und 2 Wiesenthauischen. Die Geistlichkeit gehört nach Nankendorf, die Zent, Dorfs- und Gemeindeherrschaft zum Amte Weischenfeld und werden von da aus alle hohe und niedere Gerechtigkeiten zu Dorf und Feld, soweit sich die Flurmarkung erstreckt, ausgeübt, den fremden Herrschaften aber die niedere Vogteilichkeit auf den vier Pfählen gestattet. Das Gemeindehirtenhaus, 2 mit Städeln versehene Häuser, 3 Tropfhäuser und 3 Hofstätte sind Bambergisch. Der Zehend gehört dem Domkapitel zu Bamberg.

Bundschuh

Topographische Beschreibung Waischenfelds, Anno 1801.

Weischenfeld befindet sich im Hochstift Bamberg, liegt auf dem Gebirge und grenzt an die bambergischen Ämter Hollfeld, Ebermannstadt, Pottenstein, Gößweinstein und an das Bayreuthische. Der größte Fluß ist hier die Wiesent, kleinere sind die Aufsees, Truppach und Lochau. Die Erzeugnisse des Bodens, als Korn, Waizen, Gerste, Hafer, Haidel, Schrotgetraid und Erdäpfel sind für das einheimische Bedürfniss allerdings hinreichend. Der Landmann betreibt die Hornviehzucht, der Bewohner des Bambergischen flachen Landes holt das halbgemästete Vieh ab und mästet es vollends aus. Mit den Schafen wird Insonderheit ein nicht unerträglicher Aktivhandel getrieben.

Die Amtsdorffschaften sind meistens mit fremdherrschaftlichen Unterthanen vermischt, deren Herrschaft in den häuslichen vier Pfählen die Unmittelbarkeit zugestanden wird. Die landesherrlichen Rechte werden durch einen Oberamtmann und Vogteybeamten besorgt, dieser letztere ist zugleich Zentrichter, besorgt als Kastner die Finanzgefälle und ist zugleich Steuereinnehmer. Die Zent erstreckt sich in auswärtiges Gemeind- und flurherrschaftliches Gebiet, auch zählet dieses Amt in fremdherrschaftlichen Gebieten mehrere einzelne Unterthanen. Das Kastenamt war ehemals von einem bedeutenderen Umfang, da selbes sich zugleich auf die Ämter Pottenstein, Gößweinstein und auf Leienfels erstreckte. Zu dem Amte Weischenfeld gehören 1 Stadt, 39 Dörfer, 14 Weiler, Schlösser und Einzeln, nebst den in anderen Herrschaften ansässigen Unterthanen.

Weischenfeld ein vor Zeiten gräflich von Schlüsselberger Sitz ist etwa acht Stunden von Bamberg an der Wiesent gelegen, wovon auch selbiges Dorf seine ursprüngliche Benennung geschöpft haben mag. Alte zum Theil verfallene Bergschlösser erneuern hier das Andenken voriger Zeiten, wo dieser Ort unter der Herrschaft der Grafen von Schlüsselberg für eine Veste galt. Noch unter dieser Herrschaft, wovon der Mannesstamm mit Konrad von Schlüsselberg im Jahre 1347 erlosch, erhielt Weischenfeld das Markt- und Stadtrecht von Kaiser Ludwig, hierüber finden sich Concessions- und Bestättigungsbriefe aus den Jahren 1315, 1316 und 1322 vor. Heutigen Tages ist diese Landstadt der Sitz eines Oberamtes, Vogteyamtes, Zent,- Kasten- und Steueramtes sowie eines Forstmeisters, auch ist dasselbe mit einem Bürgerrathe versehen. Die Stadt hat auch einen auswärtigen Bierverlag.

Übrigens macht die Entlegenheit von der Landstrage und der Hauptstadt, das bergige und steinige Terrain und sonach der kostbare Feldbau, der Mangel an Manufakturen und eines schiffbaren Flusses, der Abgang der Gemeindegüter und hauptsächlich eines Gemeindeholzes das Auskommen der Stadt, als auch die Ernährung der einzelnen Bewohner schwer. Es ist allda eine Pfarrey, wovon Nankendorf eine Filial ist, auch eine Lateinschule und ein Spital".

Ernst Moritz Arndt

(Aus:E.M.Arndt, Bruchstücke aus einer Reise von Baireuth bis Wien, Leipzig 1801, Ndr. Palm und Enke, Erlangen 1985. Seite 39-41 und Seite l8-19)

Waischenfeld

Dieses bambergische Städtchen Wäschenfeld liegt an der Wisend in einem tiefen und engen Thale, und man ist schon fast in den Thoren, ehe man es sieht. Die rauhe wilde Gegend umher sieht wie eine Nachgeburt des alten Chaos und Crebus aus, in so mancherley Gruppen und Klumpen sind die grauen Kalksteine hingeworfen, ohne alle Verhüllung und Bekleidung ihrer traurigen Nacktheit. Weiter hinauf nach Lankendorf sind diese Steine am Höchsten und Grauenvollsten. Das Städtchen ist schmutzig und unlieblich und sehr klein, obgleich es eine stattliche Kirche und zwey Kap ellen hat. Oben liegt ein Schloß nach Art des Rabensteins, schroff auf Kalksteinen gegründet, aber bey weitem nicht so hoch, als jenes. Es ist alles noch wohlerhalten, aber zu sehr modernisiert. Ohnweit davon steht ein schlankes Thürmchen auf einem einzelnen Felsstück, den man weit her sehen kann. Ich fragte meinen Führer, ob er nicht unterhalten und bestiegen werde? Oh, sagte er, der bedarf keiner Unterhaltung; der steht so in Ewigkeit und von Ewigkeit her. Ich lächelte und freute mich über die unbewußte Weißheit und ging mit ihm aus dem Städtchen wieder des Weges nach dem Rabenstein und dann nördlich bergan.

.... Von hier ging ich über das kahle Gebirg fort und machte auf einer schönen Höhe vor Wäschenfeld halt, um mich noch einmal an Erinnerungen und wollüstigen Anschauungen dieser herrlichen Natur zu weiden. Gewitterwolken stiegen am Himmel auf, bald warnten mich einige Regentropfen, ich sprang schnell auf traf unten einen freundlichen Benediktiner, mit welchem ich mich in das Städtchen hineinschwatzte, und so kam ich ins Quartier zu einem artigen Manne, Namens Förster, an den der alte Wunder (Höhleninspektor) mich empfohlen hatte. Da war volle Gesellschaft, besonders die Honoratioren des Örtchens, die nach Landessitte gegen Abend gewöhnlich einige Stunden in der Schenke versitzen. Ich mußte ihnen von meinen Hyperboreern erzählen. Sie prahlten, wie die Jourdanschen Franzosen auf dem Rückzug hier herum gewürgt wären; auch waren alle Wände verziert mit saubern Kupferstichen, wo Tyroler und Kroaten und Rothmäntler so einige Republikaner kalt machen; einfältige Reimlein forderten zum Patriotismus und recht katholischen Glauben auf, der darin bestehe, die Welt von diesen Teufelskindern zu säubern. So ward der Schlaf sanft herbey geführt, und selbst einige Wanzen ließen mich bis 6 Uhr des Morgens schnarchen.

Den 21. Juni 1798 abends halb 7 Uhr auf einem hohen Gestein über Wäschenfeld:

Hier auf und zwischen den Altären, die du dir erbauet hast, heilige Natur, unendliches, unbegriffenes Leben und weben der Welt, hier sitze und kniee ich, selig durch dich, selig schon durch das Gefühl des Daseyns, wenn ich auch ewig in Nichts zerfallen sollte, wie deine zertrümmern.den Felsen. Hier kniee ich, entzückt schon durch das Gefühl der Kraft und Güte, welches dein Genuß auch dem Schuidigen giebt. Du längster Tag des Jahres sollst einst einer meiner schönsten seyn. Rund um mich tönt die Stimmer froher und arbeitender Menschen; unten singen ein Paar grasende Mädchen und von oben her klagt eine süße Stimme der Kohlpflanzerinnen; still weht die Luft, der Himmel schwärzt sich im Westen, und die Stimmen der Donner brausen von ferne, wie die Wisend drunten im Thale.

Johann Christian Rosenmüller

(Aus: Joh. Chr. Rosenmüller, Die Merkwürdigkeiten der Gegend um Muggendorf. Berlin 1804. S.79/80.)

Waischenfeld

Nicht weit von Kirchahorn liegt Weschenfeld, oder Waischenfeld. Es ist ein Städtchen, das aber mehr das Ansehen eines Dorfes hat. Außer der Wohnung des Forstmeisters und des Pfarrers, außer der stattlichen Kirche und den zwey Kapellen, sind die Häuser schlecht und die ungepflasterten Straßen voll von Morästen. Auf einem Berge, nahe bey der Stadt, liegt das bischöflich bambergische Schloß und weiter oben auf einem von allen Seiten unzugänglichen Felsen, ein alter Turm von alten, zerfallenen, sogenannten Eibisch - Schlosse. Zur Pfarrkirche gehören 2200 Seelen. Der Einwohner sind 400. Die Gebirgsreihen, zwischen welchen Weschenfeld liegt, zeigen hier immer noch so besondere Gestalten wie in dem beschriebenen Thale. Eine nur in mäßigen Grade reitzbare Fantasie sieht Türme, Gebäude, kolossalische Statuen, Pyramiden, Kanzeln, Mauern mit Schießscharten und andere Figuren auf diesen immer abwechselnden Felsentheater. Die Täuschung ist noch frapanter in der Morgen- oder Abenddämmerung.

Georg August Goldfuß

(Aus: Gg. Aug. Goldfuß, Die Umgebungen von Muggendorf. Erlangen 1810.)

Waischenfeld

Das Städtchen Waischenfeld liegt an der Wiesent, in dem finstern Felsenthale welches wir unten bey Rabeneck verließen. Ringsum ist dieser ländliche Ort von öden Felsen umgeben; auf einer hohen Klippe raget das alte Eybische Schloß hervor, und ihm zur Seite stehet das Waischenfelder Schloß, welches letztere jetzt zu einem Getraidmagazin benützet wird. Von ersterem sieht man nur noch einen alten runden Turme, auf einem 40 Fuß hohem isolierten Felsen. Nirgends zeiget sich ein Zugang zu demselben und nur an dessen Zinne gewahret man eine eiserne Thüre, zu der man mit Leitern hinaufsteigen muß. Dieses Denkmal des Alterthums wird hier der Steinerne Beutel genannt und soll ehedem zu einem Gefängnisse gedient haben. Das Städtchen selbst zählt 135 Häuser und 5-600 Einwohner, die sich von ihren Handwerken, dem Ackerbaue und der Viehzucht ernähren. Im Gasthaus zum Roten Roß findet man eine reinliche Herberge und an dem Gastwirth Förster einen gefälligen Führer bey dem Besuche der Försterhöhle.

Josef Heller

(Aus: Heller Joseph, Muggendorf und seine Umgebungen oder die Fränkische Schweiz. Bamberg 1829. Ndr. Erlangen 1979.)

Nankendorf

Bambergisch, Katholisch, im Landgericht Hollfeld, liegt in einem höchst romantischen Thale und gehört in dieser 8eziehung unter die schönsten Orte der Muggendorfer Gegend. Es hat 305 Einwohner, 2 Wirthshäuser; das beste besitzt der Wirth Teufel, welcher ein sehr gefälliger Mann ist und den Fremden über alles Aufschluß giebt. Die Kirche, ein Filial von Weischenfeld, wurde um 1746 von Schweßinger schön im neuen Styl erbaut und bey dieser Gelegenheit mag leider der schöne alte, geschnitzte Holzaltar zertrümmert worden seyn. Die Fragmente, von welchem man auf seine Vortrefflichkeit schließen kann, hängen noch in der Kirche herum. Drei Figuren davon wurden zu dem jetzigen Hochaltare verwendet. Im Schiff der Kirche ist ein Gemälde, die Kreuzigung vorstelend, im Geschmacke Dürers zu bemerken, welches gleichfalls zu dem alten Hochaltare gehörte. Die sehr gute Orgel ist von Anton Dresel. Nankendorf litt am 23. Mai 1813 durch einen starken Sturmwind so, daß nur 12 Gebäude unbeschädigt blieben. Für Fremde ist der Ort noch von hohem Interesse, weil sich mehrere Höhlen und die schönen Felsenparthien in seiner Nähe befinden; zwei Höhlen gleich beim Orte, dann im Thale nach Weischenfeld zu, der Triumpfbogen, der Hirschenstein und der Nonnenstein.

Waischenfeld

Weischenfeld, Bbg. Kath. im Landgericht Hollfeld. Dieses Landstädtchen liegt in einer sehr romantischen Gegend an der Wiesent, und ist von allen Seiten von den schönsten Felsenparthien umgeben. Jeder Freund der schönen Natur wird hier einige Tage mit Vergnügen verweilen. Außer seinen alten Schlössern, bietet es in der Nähe den Reisenden die vorzügliche Förstershöhle, die Rabenecker- die Silbergoldstein- und die Nankendorfer Höhle mit dem schönen Thale, den Löhlitzer Anger mit den wendischen Gräbern etc. dar. Zu Weischenfeld ist der Sitz eines Rent- und Forstamtes; es hat zwey Schloßruinen, 140 Häuser, darunter zwey gute Gasthäuser. Das rothe Roß wird von Fremden vorzüglich stark besucht; es ist das ehemahls Försterische Haus, jetzt im Besitz der Meiselschen Familie. Bei diesem Hause haftet auch das Eigenthum der Försterhöhle. Bei dem Wirthe Löbisch ist gleichfalls sehr gut zu logieren; bei ihm hat die Harmonie-Gesellschaft ihr Lokale wo wöchentlich die Amtleute und Pfarrer der Umgegend zusammenkommen. Das alte Schloß, von welchem noch bedeutende Ruinen übrig sind, stand auf dem Berg, beherrschte die Gegend und soll ein Heidentempel gewesen seyn, was aber sehr zu bezweifeln seyn dürfte. Obwohl man noch mit großer Zuversicht die Gemächer zeigt, in welchen die Todten verbrannt worden seyn sollen. Später wurde dieses Schloß zum Amtssitze verwendet. Im 17. Jahrhundert scheint daneben das neue Oberamthshaus aufgeführt worden zu seyn, welches man 1816 zu Getraidböden eingerichtet und daher alle Gemächer verdorben hat. Das alte Schloß wurde 1817 für 200 Gu´len verkauft, und ist nun größtentheils abgetragen. Neben diesem Schlosse stehen noch die überreste eines dritten, welches der Familie von Eyb gehörte. Der runde Wartthurm ist noch in seiner ursprünglichen Gestalt; er ist 30 Schuh hoch und steht auf einem 40 Schuh hohen, isolierten Felsen; nur mit einer Leiter gelangt man hinein. Wegen seiner merkwürdigen Bauart verdient er besucht zu werden. Er soll zu einem Gefängnisse gedient haben, und wird nur der Steinerne Beutel genannt. Daneben sind noch die Uberreste von den Schwedenschanzen. Abgebildet haben ihn Brandenstein und Zeune. Die Pfarrkirche, dem Johannes gewidmet, wurde um 1450 gebaut. Den Chor ließ noch im altdeutschen Styl der Wiener Weihbischof Grau im Jahre 1550 aufführen. 1661 wurde die Kanzel, 1671 der Hochaltar erneuert. 1750-56 erhielt die Kirche ihre jetzige Gestalt. Den in der Mitte der Kirche befindlichen Thurm setzte man auf den Giebel; der Hochaltar und alles wurde erneuert. In der Kirche ist merkwürdig das Monument des Friedrich Grau, genannt Nausea, welcher hier in dem Hause Nro. 121 geboren wurde, und zu Wien als Weihbischof starb, 1552. Er verwendete viel auf seine Vaterstadt. Neben der Kirche steht die Kapelle zur Heiligen Anna, und unten im Städtchen die zum Heiligen Laurenzi, welche 1641 erbaut und 1795 durch den Maler Hohe aus Baireuth erneuert wurde. Im Rentamtgebäude befindet sich ein altes Schlüsselbergisches Wappen. Das Spital, welches Eberhard von Rabenstein 1514 stiftete wurde 1566-67 erbaut. In der Nähe von Waischenfeld ist eine Felsengrotte, die man vor einigen Jahren zu einem Kegelplatze verwendete, dann die sogenannte Schäferhöhle, eine kleine Felsengrotte, in welcher sich ein Schäfer aufgehalten haben soll.Man muß auf dem Bauche hineinkriechen, dann kann man sich aufrichten und findet einen Schäfer in Stein abgebildet. Auf dem Wege nach der Hammermühle ist die Galgenleite, wo früher ein Galgen stand.Auf diesem Berge erhob sich das Schlüsselbergische Schloß, von welchem nur noch wenige Spuren übrig sind; bis 1605 hatte sich noch ein Thurm davon erhalten. Auf dem zweiten Berge, der Hirschaid genannt, soll ebenfalls eine Burg, die Guttenburg gestanden haben, welche den Edlen von Hirschaider gehört haben soll.Mit den Merkwürdigkeiten der Gegend sind sehr bekannt der Zeugmacher Höllerer und Lorenz Strüfer, und deswegen jedem Fremden zu empfehlen. Weischenfeld gehört unter die ältesten Orte auf dem Gebirge und es ist keinem Zweifel unterworfen, daß sich hier eine wendische Colonie aufhielt, welche vielleicht auch schon Bergbau trieb. In den spätern Jahrhunderten wurde hier viel aus Eisen gebaut und von der Hammermühle bis Stechendorf befanden sich 22 Eisenhämmer in der Gegend. Im 12. Jahrhundert kommen hier die Reichsherren von Weischenfeld vor: 1122 Wirint und 1216 Ulrich II. Darauf die Reichsherren von Creußen und Greifenstein. Wahrscheinlich baute Eberhard um 1216 die Burg Schlüsselberg und nannte sich davon, so wie seine spätern Nachkommen. Konrad von Schlüsselberg, welcher sehr viel bei dem Kaiser Ludwig IV., der Bayer genannt, galt, erwirkte von demselben 1315,1316, und 1322 für Weischenfeld die Stadt- und Marktgerechtigkeit, und lieD auch um seine neue Stadt eine Mauer führen. Als die von Schlüsselberg 1347 erloschen, kaufte der Bamberger Bischof Friedrich von dem natürlichen Erben des Freyherrn Konrad: Günther, Grafen zu Schwarzburg, Weischenfeld, Streitberg und Greifenstein für 14600 Pfund Heller. Die Pfarrei, welche die von Schlüsselberg stifteten wurde durch Einziehung der Pfarrei Nankendorf vergrößert; außer den Schlüsselbergern hatten auch die v. Eyb hier ansehnliche Güter, und Heinrich Konrad verkaufte dieselben um 1610 an Bamberg.Dann waren hier noch begütert die Edlen Lochner von Hüttenbach und die von Rüssenbach zu Rüssenbach und Weischenfeld. - Im Hussitenkriege 1430 mußte das Städtchen viel ausstehen. Im Jahre 1514 stiftete Rabenstein das Spital, und 1538 der Edle von Weischenfeld das Almosen.

Die Horden des Markgrafen Albrecht plünderten 1553 Weischenfeld, und äscherten es größtentheils ein. Im Schwedenkriege litt es gleichfalls zweimal sehr, und 1647 wurde es beschossen und größtentheils abgebrannt. Eine Abbildung von Weischenfeld findet man in den Ansichten des Fürstenthums Bamberg. Die neueste Abbildung von Thöming kann man keine Ansicht nennen, da sie nur einen und eben einen nicht am besten gewählten Platz des Städtchen gibt.

Rabeneck

Dieses alte ehemals sehr weitläufige Bergschloß liegt in einer der schönsten Gegenden des Wiesenttales ruht auf ungeheuren Felsen und gibt sowohl vom Thale aus wie von der Höhe Stoff zu einem vortrefflichen Gemälde. Es hat noch sehr viel von seiner alterthümlichen Bauart. Der erste Eingang führt über eine Brücke welche ehemals eine Zugbrücke war; der zweite zieht sich in die Schloßgebäude hin welche meistens zu Getreidespeichern un anderem verwendet werden. Im Umkreise des Schlosses stehen noch Uberreste eines alten großen Gebäudes und rechts die niedliche gut erhaltene Schloßkapelle welche dem hl. Bartholomäus gewidmet und eine Filial von Oberailsfeld ist. Zu dem Schlosse gehören die außerhalb liegenden einzelnen Häuser und die Mühle im Thale mit 32 Bewohnern. Unterhalb des Schlosses ist eine schöne Höhle und eine Felsengrotte welche besucht zu werden verdienen. - Rabeneck gehörte ehemals den Reichsherren von Schlüsselberg. Es kam durch Kauf 1343 an Bamberg dann an die Familie von Stiebar von welchen sich eine Linie Stiebar von Rabeneck nannte. Im Bauernkriege 1525 wurde das Schloss zerstört aber bald wieder hergestellt. Alexander Stiebar übertrug es 1529 dem Fürstbisthum Bamberg als Lehen. Im Jahre 1570 wurde Wilhelm von Künßberg als Gläubiger in alle Lehensgüter eingesetzt welche Christoph von Stiebar hinterlassen hatte wozu auch Rabeneck gehörte. Künßberg verkaufte letzteres 1576 an Daniel von und zu Rabenstein. 1532 verwüsteten die Waischenfelder das Schloß weil die Rabensteiner es mit den Schweden hielten. Die Familie stellte es aber bald wieder her. Im Jahre 1742 starb mit Peter Johann Wilhelm dieses Geschlecht aus und das Gut fiel an Bamberg heim. Es wurde dann an die Grafen Schönborn verliehen welche für die gute Unterhaltung immer besorgt waren. - Die schönste Abbildung ist von ADAM und EBNER 1802 in den fränk. Ritterburgen. Brandenstein, Hertel lieferten gleichfalls eine Ansicht. Eine lithographische Zeichnung fertigte kürzlich Thöming.

Friedrich Schultheiß

(Aus: Friedrich Schultheis, Die Fränkische Schweiz.Cyclus der interessantesten Punkte aus der Umgebung von Muggendorf und Streitberg, mit Originalzeichnungen von C. Kaeppel, Lithographiert von Th. Rothbart. Nürnberg 1840, Seite 19-20.)

Das Rabenecker Thal, in welches links von dem Örtchen Sauckendorf herab der alte Graben, ein wüster unfreundlicher Einschnitt mit unbedeutenden Höhlen (Kohlenbrenners-, auf der halben Höhe des Berges die Silbergoldsteinhöhle und das Kuhloch) sich zieht, umschließt das Städtchen Weischenfeld. Auf einer hohen Klippe ragt der Ueberrest des ehemaligen Eib'schen Schlosses hervor, ein alter runder Thurm ohne Treppe, gewöhnlich der Steinerne Beutel genannt, der ehedem vielleicht als Gefängnis gedient hat und in welchen man nur mittels eines Flaschenzuges durch eine Thüre oben an der Mauerzinne gelangt. Ein anderer Felsen trägt die Überreste des alten Amtsschlosses, das 1817 um 200 Gulden verkauft wurde; das neue Oberamtgebäude daneben wird jetzt als Getraidmagazin benützt. In der Nähe des Städtchens das seinen Ursprung einer slavischen Siedlung verdankt, befinden sich mehrere kleine Grotten, in dem angränzenden Grubachthale die berühmte Försterhöhle. .... Nahe sind die Felsenparthien Hirschenstein, der Triumpfbogen und die Grotte Nonnenstein. Das Tal der Wiesent bei Nankendorf, dessen felsige Umgebung pittoresk gestaltet und doch malerisch geordnet dem Zeichner viel dankbaren Stoff bietet gehört wegen seiner Lage zu den schönsten Punkten des Wiesenttales.

Adalbert Küttlinger

(Aus: Die Fränkische Schweiz und die Molkenkur-Anstalt zu Streitberg. Erlangen 1856, Seite 65-66.)

....aber die Nähe von Waischenfeld und seine freundliche Umgebung lohnt sich doch eines Besuches, es folge uns daher der Wanderer wieder in's Wiesental hinab um mit Bequemlichkeit in 3/4 Stunde das Städtchen zu erreichen wo wir auf dem Markte in dem Gasthause bei Hoffmann oder bei Krauss dem Besitzer der Försterhöhle, eine gute Aufnahme finden.Einen überraschenden Anblick bietet die alte Schlossruine von Waischenfeld hoch über dem Städtchen und neben ihr auf säulenförmiger Klippe ein alter runder Thurm, scherzweise der Steinerne Beutel genannt. Die Burg hielt man wohl fälschlich für einen Heidentempel, obgleich es keinen Zweifel unterliegt, dass sich auch hier wie bei Muggendorf, eine wendische Kolonie aufhielt. Der runde Thurm der Gegend ist ein Ueberrest des Schlosses der Familie v.Eyb, welche neben den Schlüsselbergern ansehnliche Güter in dieser Gegend hatten. Nur mittels einer Leiter und eines Flaschenzuges kann man an der Mauerzinne in den Thurm gelangen; er soll zu einem Gefängnisse gedient haben. Daneben sind noch Spuren von den Schwedenschanzen. Das etwas tiefer gelegene neuere schlossartige Gebäude war früher das Oberamtshaus.

Sehenswerth sind noch in der Stadt ein altes Schlüsselberg'sches Wappen am Rentamt und das Monument von Friedrich Grau, genannt Nausea (welcher, ein geborener Waischenfelder, zu Wien als Weihbischof 1552 starb und bei Lebzeiten viel auf seine Vaterstadt verwendet hat), ausserhalb der Stadt die Kegelgrotte und Schäferhöhle, auf dem Wege nach der Hammermühle die Galgenleithe, worauf noch einige Spuren des obenerwähnten Schlüsselberger Schlosses. Eine Viertelstunde von Waischenfeld im Zeubachgrunde ist an der südöstlichen Seite des Zeubacher Berges die berühmte Försterhöhle.

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Verwendete Literatur

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