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Brauchtum, Sagen und Geschichten

Waischenfelder Pöpl (Benedikt Spörlein)
Brauchtum um Nankendorf, Löhlitz und Neusig (G. Rauh)
Ein Wintermärchen (Schmied's Sepp)
Preussisch-russisches aus Breitenlesau (A. Sieghardt)
Von Tod und Teufel (Schmied's Sepp)
Der Annatoch in Waischenfeld (Benedikt Spörlein)
Der Pfeifersbader (A.Sieghardt)

 

DR. BENEDIKT SPÖRLEIN: Die Waischenfelder Pöpel

Dr.Benedikt Spörlein Unter Pöpel (vom tschechischen Popanz) versteht man hierzulande eine schreckhafte, gespensterhafte Erscheinung. Besonders auf uns Kinder taten die Pöpel ihre einschüchternde Wirkung. Unser Vater war ein entschiedener Pöpelgegner: Geister- und Gespensterfurcht unsererseits bezeichnete er als gezüchtete krankhafte Zwangsvorsteellungen. Als wir zwei Buben einmal abends ein Stockwerk höher nicht allein ins Bett wollten mit der Begründung: "Nebenan im Beinhaus (Knochenkarner, Ossarium!) ist ein Pöpel, ein Lichtschein!", mußten wir bekleidet nur mit Nachthemd und Pantoffeln in eisiger Kälte mit ihm ins Beinhaus gehen. Er erklärte uns das Phosphoreszieren der Knochen und daher den Lichtschein in der stockfinsteren Nacht und schloß mit dem Zitat: "Es gibt nur einen Pöpel und das ist der Nasenpöpel (Nasenschleim!); von dem braucht ihr euch nicht zu fürchten; den produziert ihr ja selbst!"

In Waischenfeld kannte man zwei städtische Pöpel, den "Rothaus-Pöpel" und den "Bräuhaus-Pöpel". Letzterer wurde vom Braumeister nachts beim Dierbrauen öfters oben im Gebälk sitzend gesehen. Wenn wir Buben den alten nie verlegenen Gemeindediener Kaspar Hager fragten: "Kaspar, hast du den Rothaus-Pöpel schon gesehen?", war seine prompte Antwort: "Den seh' ich jeden Abend, wenn ich um zehn Uhr die Rathausglocke läute, auf dem Glockenstuhl sitzen und mitschaukeln. Er ist ein kleines, schwarzes Männchen." "Hast du ihn noch nicht angeredet?" "Nein, solange er noch schwarz ist, darf man ihn nicht besprechen; erst wenn er grau ist, dann ist er zum Ansprechen reif". Das imponierte uns, wie Kaspar so selbstverständlich von seinem Rathauspöpel sprach. Als weiterer fiskalischer Pöpel darf der sogenannte "Rentamtspöpel" nicht übersehen werden. Er hatte nichts mit den Steuern zu tun; er hauste nur nachts in den Amtszimmern des Rentamtes und wurde von späten Passanten öfters gesehen. Schon vor der Verreichlichung unserer bayerischen Rentämter zu Finanzämtern ging der Rentamtspöpel in Pension.

Noch einige Jahre versahen aber der "Pöpel im Panzersaala" und der "Grüblers-Pöpel" sowie der "Hintertor-Pöpel" in den Obstgärten ihren Dienst. Es war eben niemand anders da, um obststehlende Halbstarke abzuhalten. Der Aala-Pöpel war ein kleines Männchen. Der Grüblers-Pöpel fuhr nachts selbst kopflos in mit kopflosen Pferden bespanntem Wagen durch die GreinerObstgärten. Sowohl die städtischen wie die fiskalischen Pöpel und die Obstgarten-Pöpel - am Hintertor-Pöpel war ich selbst nicht ganz unschuldig - fielen alle der Vernunft des zwanzigsten Jahrhunderts zum Opfer.

Am längsten hielten sich noch die vorweihnachtlichen Heiligen-Pöpel: Der A n d r e a s - Pöpel kam in der Nacht zum 30. November, an seinem kirchlichen Ehrentag, an die Häuser und holte sich von den Fensterbänken die Weihnachtswunschzettel der Kinder, um frischgebackene Plätzchen an die Stelle zu legen. Der N i k o l a u s - Pöpel kam am Abend zum 6. Dezember höchst persönlich, strafte mit Ruten und Besen die bösen und belohnte mit Äpfeln und Nüssen die braven Kinder aus seinem Sack. Drei Tage vor dem Christtag, zum 20. Dezember, sah sich der "T h o m a s - Pöpel" mit seinem Knecht Rupprecht nochmal um und erkundigte sich bei den Eltern, ob das Christkind die Kinder beschenken könne. Er war der "Schlimmste".

E s w e i h n a c h t e t e schon sehr genau vor 50 Jahren:
Ich kam von der ersten Klasse der Volksschule, der ich seit 1. Mai 1910 angehörte, heim und mein Freund, der Schmiedsfritz, der - ein Halbjahr jünger als ich - noch nicht zur Schule ging, erwartete mich: "Benadikt, glabst du noch an den Nikolaus?" Meine Antwort war: "Ja!" Hatte mich doch meine Mutter vor einigen Tagen, als ich meine Zweifel an dem Nikolaus vortrug, überzeugt. Sie holte die Heiligenlegende hervor und las mir vor: "Der heilige Nikolaus war von gottesfürchtigen Eltern geboren. Als Knabe besuchte er als der Fleißigste die Schule und floh alle Gemeinschaft mit ausgelassenen Buben. Er studierte gerne, wurde Priester, ja Bischof und wurde wegen seines heiligmäßigen Lebens unter die Heiligen eingereiht." "Und an ihn willst du nicht mehr glauben?" "Ja, ich kenne aber mindestens 20 Nikoläuse, die zu Waischenfelder Kindern kommen und erst in die anderen Ortschaften und Städte!" Meine Mutter: "Ein Heiliger kann eben alles und wenn du nicht an ihn glaubst, so bringt er dir nichts und haut dich noch recht rum!" So glaubte ich eben wieder und daher auch mein "Ja!" zum Nachbarsfritz.

Der Fritz aber blieb stark und sagte: "Heit nacht kümmt er zu uns! Kummst net a weng runter?" Und ich durfte zu den Nachbarskindern. Fritz war der älteste Bub. Ich stand mit ihm auf der Bank, die das Wohnzimmer im Nachbarhause umrahmte.

Der Nikolaus kam! Groß, mit Pelzmütze, langem Bart, Besen, Sack und klirrenden Ketten. Die kleineren Schmiedskinder knieten zitternd, lallend, betend um ihre Mutter. Der Fritz gab mir einen Renner in die Seite mit dem Ellenbogen: "Die Kieten (Ketten) sen von unserm Loden (Ladengeschäft) und den Nikolaus mecht uner G'sell, der Panger (Pankraz)." Die Kleinen beteten unverständlich vom heiligen Schutzengel mein und so fort. Da rasselte der Nikolaus mit den Ketten und sprach himmlisch hochdeutsch: "Weil ihr so schön beten könnt, habe ich euch schöne Sachen mitgebracht, und er bückte sich und schüttete seinen mitgebrachten Sack mit Äpfeln, Nüssen und Plätzchen unter die Kleinen in rauhen Mengen.

Da geschah es, als er sich wieder erheben wollte, schwang der Fritz neben mir den Fäustel (großen Hammer von der Schmiede), den er sich vom Amboß geholt hatte, direkt auf das Haupt des heiligen Nikolaus. Und ganz irdisch dialektisch brüllte Nikolaus: "Haargott, Schmieda, warum paßt denn du net auf den Fritz, den Saububen auf? Und er raufte sich den Hanfbart aus und warf ihn unter die Gaben; denn er wußte nicht wegen des Schlages, was er tat.

Fritz war verschwunden. Die Kleinen lallten: "Der Panga!" Ich verzog mich auch heimwärts, und auf die Frage meiner Mutter: "No, war's schön?" sagte ich: "Ja, Ja" und ging ins Bett.

So waren auch die Weihnachts-Pöpel ausgetrieben. Der Andreas-Pöpel, der Nikolaus-Pöpel und der Thomas-Pöpel. Es blieben nur die Heiligen Andreas, Thomas, Insonderheit der heilige Nikolaus, der heute noch mit seinem Sack voll Äpfeln und Nüssen zu kinderreichen Familien vor Weihnachten beschenkend kommt... (Aus: Fränkische Schweiz - Zeitschrift Nr. 4/1960/61)

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Ein Wintermärchen

Ein Samstag wie viele im Winter. Über Nacht hat es geschneit Waischenfeld liegt unter einem weißen Teppich, der
alle Geräusche dämmt, somit herrscht eine feierliche Ruhe über dem Dorf, unterbrochen von den ein zwei Automobilen die damals recht behäbig über die ausgetretenen, ungeteerten Straßen tuckerten. Ein eisiger Wind huschte dazu durchs Tal erstickte jegliche Aktivitäten im Keim. Wer nicht raus musste, blieb gerne hinter dem Ofen oder hockte sich ins Wirtshaus, um ein angewärmtes Bier zu trinken.

Einer der wenigen, die heut unterwegs waren, ist der Schaf-Christoph, der wie jeden Tag, zwei Kannen voll Milch mit seinem Moped von Bärgie (Eichenbirkig) zum Kinderheim, droben auf dem "Docktersberg" fährt. Er ist warm angezogen, mit Ledermantel, mit einer mit Lammfell gefütterten Mütze, die auch die Ohren bedeckt und am Kinn verschnürt ist. Dazu ein paar Fingerhandschuhe, auch mit Lammfell gefüttert. Wie immer, so kehrt er auch an diesem Samstag im Cafe Cardill ein um sich etwas aufzuwärmen und ein Seidlein Bier zu trinken. Und wie jeden Tag sind der Brauns-Hans, der Apothekers-Willi und der Schmied-Serp schon da, wie immer zu derben Späßen aufgelegt. Die Gardills-Käthie (Lohmüller) sitzt heut auch am Tisch. Vor ihr liegt ein Stapel kleiner Bilder, wie sie damals in jeder Zigarettenschachtel zu finden waren.

"Deutschland erwachet" heißt die Serie) und die Bilder klebt sie in ein Album. Der Christoph bestellt bei ihr sein Bier, derweil er seine steifen Finger und sein blaugefrorenes Gesicht am Ofen wärmt. Der Brauns-Hans hält die Tube Pekanol-Leim in der Hand und tut so als würde er seine Finger damit einreiben. Der Christoph siehts und fragt was er da macht. Der Hans schlagfertig meint, die Creme sei gut, wenn man kalte Hände hat, sie würde die Durchblutung anregen und bietet dem Christoph davon an. Der hält dankbar seine Hände hin und reibt sich seine Finger und das Gesicht kräftig damit ein und meint, er spüre schon was, es sei eine gute Creme. Nicht lang danach, hat er sein Bier ausgetrunken, stülpt sich seine Lammfellmütze über zieht seine Lammfellhandschuhe an und geht. Am nächsten Tag war zu erfahren, daß es ein großes Geschrei gab, als er sich zuhause ausziehen wollte. Die Mütze konnte er nur unter großer Mühe ausziehen, seine Handschuhe waren so fest verklebt, daß sie seine Frau fingerweise mit der Schere entfernen mußte, daß Lammfell jedoch blieb hartnäckig an Backen und Finger. Viele Tage später konnte man noch Spuren davon sehen. Seitdem hat der Schaf-Christoph das Gardills Cafe nicht mehr besucht, wahrscheinlich weil er es dem Apothekers-Willi nicht zumuten wollte, sich nochmal die Hand zu verbrennen. Der nämlich ist vor lauter Lachenverbeißen in die Küche gelaufen als sich der Christoph eincremte und wollt' sich an der heißen Herdplatte abstützen.
Erzählt vom Schmieds-Sepp, im Februar 1985, in der Sonne.

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Preussisches und Russisches aus Breitenlesau

Das Kirchdorf Breitenlesau liegt in der nördlichen fränkischen Schweiz, an der Fahrstraße die von Plankenfels über die windumbrauste Hochfläche ins Aufseßtal führt, nach Wüstenstein. Dieser Verkehrsweg wurde im 18. und auch noch im 19. Jahrhundert, als die Täler der fränkischen Schweiz dem Verkehr noch nicht erschlossen waren, viel benutzt, auch von der Reisenden, die von Bayreuth über Plankenfels durch die Fränkische Schweiz, über Streitberg nach Erlangen fuhren; sie nahmen alle den Weg über Breitenlesau, über das "Aufseßer Gebirg". Daher auch die Bemerkung des Bamberger Geschichtsschreibers Joseph Heller in seinem 1829 erstmals erschienenen Taschenbuch über "Muggendorf und seine Umgebungen", daß das im Landgericht Hollfeld gelegene Dorf Breitenlesau, daß damals zum Patrimonialgericht Aufseß gehörte und 180 Einwohner zählte, ein sehr gut besuchtes Wirtshaus habe. Dieses Wirtshaus ist die heutige Gaststätte der Familie Krug, die es seit dem Jahr 1825 besitzt. Anläßlich den hundertjährigen Eigentumsjubiläums im Jahre 1925 unterzog sie das Anwesen einer Renovierung, wobei das schöne alte Fachwerk des Hauses freigelegt wurde. Gebaut wurde das Breitenlesauer Wirtshaus bereits im 16. Jhd. Damals hatte ein gewisser "Hans Schwarzmann" in Breitenlesau eine "Schenkstatt aufgericht". Während des 30-jährigen Krieges, da es dem Claus Schwarzmarn gehörte, einem Wirt "so markgrevisch" (Markgräflich), wurde das Anwesen bös zugerichtet, so daß "itzo in ihr alles öd" war und dem Eigentümer ein Steuernachlaß gewährt werden mußte.

Im Jahre 1678 hatte Hans Schwarzmann das Wirtshaus inne, er war zugleich Dorfschmied. 1712 hat Georg Schwarzmann das Haus erneuern lassen, wie ein Inschrift beurkundet. Zu jener Zeit war in dem Anwesen nur eine gewöhnliche Zapfenwirtschaft, die blieb bis zum Jahre 1834, denn "das Dorf hat keine Braugerechtigkeit und der Markgräfliche Zapfenwirth muß alldorten das Bier vässerweis einnehmen", heißt es in der Waischenfelder Lehenbeschreibung von 1744. Breitenlesau gehörte damals zum markgräflichen Amt Streitberg, dem auch der Kirchweihschutz sowie die hohe freisch und zentbare Juristiktion (Gerichtsbarkeit) zustanden. 1825 wurde das Anwesen - wie schon erwähnt - von Johann Krug erworben, dessen Nachkommen es heute noch besitzen. Zu ihm gehören rund 100 Tagwerk Wald, Wiesen und Ackerland; im Stall stehen 20 Stück Vieh. Als Viehzüchter hat sich der Besitzer Joh. Gg. Krug große Verdienste erworben, wie zahlreiche Diplome und Urkunden unter Glas und Rahmen bezeugen. Die Bierbrauerei wird hier seit 1834 betrieben. Das Wirtshausschild zeigt den Brandenburgischen Doppeladler und die Buchstaben B S M.

Mit diesen Angaben ist aber die historische Bedeutung des Wirtshauses in Breitenlesau nicht erschöpfend erklärt. Von ihm gibt es auch etwas kulturgeschichtliches zu berichten, etwas Preussisches und etwas Russisches. In einer Ecke des Gastzimmers, hinter der Eingangstür, steht nämlich ein alter viereckiger Tisch, der die Bezeichnung "Preussentisch" führt. Letzterer stammt noch aus der Zeit, da diese Gegend von preussischen Truppen als Durchmarschgebiet benützt wurde oder auch - so nimmt man an -, da das Brandenburgische Amt Streitberg, zu den Breitenlesau zählte, unter preussischer Verwaltung stand. Damals (so erzählen sich die Einheimischen) musste jede Missetat, Beleidigung verziehen und für straflos erklärt werden, wenn der Missetäter an diesem Tisch öffentlich Abbitte leistete; die Stube in der früher dieser Tisch stand, nannte man "Preussenkammer" und die öffentliche Gerichtsbarkeit wurde mitunter unter der vor dem Wirtshaus stehenden großen Linde vollzogen, die heute noch 'Preußen - Linde genannt wird.

In Breitenlesau gibt es auch eine Russenlinde. Sie steht am Ortsausgang am Weg nach Plankenfels und gilt mit ihrer mächtigen Baumkrone als das landschaftliche Wahrzeichen des Ortes. Unter ihr befindet sich eine mit einem Kruzifix gezierte Gedenksäule mit der Aufschrift: "J.S. 1813" die Rückseite trägt die Bezeichnung "A. F. 1823". Von diesem Steinmal erzählen sich die Breitenlesauer, das es zum Andenken an einem russischen General namens Roppmann von seinem Verwandten gesetzt worden sei; dieser General sei beim Durchmarsch russischer Truppen zu Beginn des vorigen Jahrhunderts an dieser Stelle plötzlich gestorben und allhier begraben worden. Nach einer andren Lesart sollen ihn seine eigenen Soldaten im nahen Wüstenstein derart verprügelt haben das er sich auf der Flucht vor ihnen gerade noch bis zu dieser Linde habe schleppen können, wo er alsdann - im Haus No. 24, der damaligen Dorfschmiede - verschieden ist.

Zehn Jahre später sei ihm dann von seinen Angehörigen dieser fast 2 m hohe Gedenkstein gesetzt worden. So heißt er mächtige Baum, unter dem er schlummert, die "Russenlinde" und die gegenüberliegenden Häuser nennt man "Russenburg". Vor ihnen liegt ein vom Gesangsverein errichteter idyllischer Heldenhain zum Gedenken an die zehn gefallenen Breitenlesauer des ersten Weltkrieges.
Aus: Sieghardt August, Fränkische Schweiz - Romantisches Land 1952

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Geschichte von Tod und Teufel

Es war einmal, der Schmied -Sepp meint so um 1900. Waischenfeld war ein armes kleines Städtchen, die Bürger mussten noch hart arbeiten, es gab noch viele Bauern im Ort, mit Kühen, Schweinen und viel Federvieh. Hähne krähten noch zur Morgenstund, Kühe wurden zur Waage getrieben, Wasser wurde mit Butten von den Quellen geholt, Kinder mussten Gänse hüten.

Einige Einwohner hatten das Glück, einen Obstgarten ihr eigen zu nennen, deren Bäume im Sommer voller herrlich schmeckemder Kirschen, Äpfel und Birnen hingen. So auch der Stanges-Hans. Sein ganzer Stolz war ein gewaltiger Sußbirnbaum vorm Haus, der immer voller saftiger kleiner, runder, braun-grüner Früchte war. So ist es kein Wunder, daß grad dieser Sußbirnbaum, Ziel mancher Kinder war, die sich gerne mit diesen Süssigkeiten ihr karges Mahl ergänzen wollten. Doch es gab auch ältere Kinder, die gerne von den verbotenen Früchten naschten. So auch der Vetter Lang auch und dem Spitzes-Görch sei Vater, "was nimmer wie der heißt". Jedenfalls die Beiden hatten eines Tages beschlossen dem Stanges-Hans sein Sußbirnbaum zu besuchen. Der Hans jedoch, hatte wie fast immer ein waches Auge auf sein Schmuckstück, saß deshalb, wenn es ihm die Zeit erlaubte unter seinem schattenspendenden Birnbaum und döste vor sich hin.

Es kam die Dämmerung, da hatten die beiden eine Idee. Dem Spitzersgörch sei Vater, der lief hinauf in den Buchberg,
Vetter Lang kraxelte auf den Löwenstein. Als beide ihren Platz erreichten, schrie dem Spitzes-Görch sei Vater:
"Ich bin der Tod", vom Vetter Lang kam es laut zurück: "Ich bin der Teufel, wu kumma heut neucht zam?" Der Tod schrie zurück: "Beim Stanges-Hans sein Sußbirnbaam".
Der Hans schreckte auf, er hatte alles gehört, bekam einen Mords-Schrecken und rannte voller Angst ins Haus, zündete eine schwarze geweihte Kerze an, fing an zu beten und traute nicht mehr aus dem Haus, die ganze Nacht.

So konnten dem Spitzes-Göch sein Vater und der Vetter Lang in aller Ruhe ihren Bauch vollschlagen, voll dieser süßen Stanges-Suß-Birn.

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Der A N N A - Tag zu Waischenfeld

von Dr. Benedikt Spörlein

Anna Tag Wenn am 25. Juli, dem Jacobus-Tag der Kirche, nachmittags zwei Uhr die Glocken den morgigen Festtag in Waischenfeld einläuten, da bellen zwei Glöcklein mit ihren hellen Stimmen unüberhörbar aufdringlich in das Festgeläute hinein. Die Waischenfelder kennen diese Rufe von unserem Anna-Kapellen-Turm nur zu genau. Es ist die Zeit des sogenannten Bauern- und Taubenhungers, wie man sie einst nannte: Die alte Ernte war aufgezehrt und die neue noch nicht eingebracht. Die alte Bauernregel bringt dies so schön zum Ausdruck:

Heit is das Fest Jacobi, viel friß' i und weng hobi. Doch secht ma ana, was er moch, Anna is am anan Tog.

Ja am nächsten Tag, am 26.Juli ist der Festtag der heiligen Mutter Anna, der in Waischenfeld als zweites Patronatsfest ganz groß seit Jahrhunderten gefeiert wird. Dazu haben wir auch hinter der Pfarrkirche, unsere Anna-Kappelle. Auf einem massiven Kellergewölbe, dem Beinhaus, steht ein schlichter romantischer Bau mit Holztonne, das Waischenfelder Heiligtum, der Mutter Anna ganz allein geweiht. An der Ostwand des Kirchleins steht der Altar; mit barocken Säulen und Schnitzwerk, ist das Ölbild der hl. Anna mit der Jungfrau Maria und dem Jesukind auf dem Schoße umrahmt, darunter ein reizender Tabernakel. Auf dem Holzkonsol der Nordseite steht eine kleine spätgotische hl. Anna selbtritt (um 1500).

Die hl. Anna sie war die Helferin in allen Nöten, besonders aber gegen Gewitter- und Hagelschaden, gegen Blitz und Donner, die herab von den Dolomitfelsen hinein in unser Wiesenttal so unheimlich ordinär fetzen und krachen. Unsere Mutter fürchtete sich sehr und wir Kinder mit ihr. Beim ersten Donner wurde ein geweihter Wachsstock oder eine schwarze Sturmkerze entzündet und die hl. Anna angerufen:
Jesus, Maria und Anna!
Treib die Gewitter von danna!
Joachim und Anna
Treib die Gewitter von danna
Heilige Sankt Anna!
Treib das Gewitter von danna,
Treib es in ein anderes Land
Wo es nicht schaden kannt.

Der Vater, der durchs Fenster den Zug des Unwetters vom alten Schloss über den Harletstein in's Ahorntal verfolgte, tröstete mit der Worten: "Ich mein' es ist bald drüben". War er nicht zu Hause, waren die Stoßgebete um so inbrünstiger. Hatte sich das Unwetter aber verzogen, dann erzählte uns die Mutter, daß die Waischenfelder einmal den Anna-Tag nicht mehr extra feiern wollten. Da zog aber gleich ein Unwetter auf mit Blitz - und Hagelschlag, daß alles erzitterte und da haben die Waischenfelder wieder das Gelübde gemacht, den Anna-Tag am 26. Juli eigens zu begehen.

In späteren Jahren, als wir Schullehrersbuben von der Bamberger höheren Schule in Ferien kamen und zutiefst im Rucksack unsere Zeugnisse verstaut hatten, deren Noten nicht alle dem Geschmack des Vaters entsprechen konnten, da durchschritten wir, müde von der Bahnstation Ebermannstadt kommend, die elterliche Haustür mit einem Stoßseufzer zur lieben Nachbarin:

Heilige Mutter Anna! Treib' - dieses Gewitter auch von danna!

So war wieder, wie jedes Jahr zu Beginn der Sommerferien, der Annatog eingeläutet worden. Für uns Buben hatte er schon Tage zuvor seine Schatten voraus geworfen. Der Vater als Organist hatte das alte Anna-Kapellen-Harmonium auf seine Leistungsfähigkeit für den hohen Festtag überprüft. Asthmatisch giehmt und quietschte die Innerei des Instruments und an Stelle von Tönen verließen dürre Kirchenmäuse das Harmonium. Sie hatten das Jahr über die abdichtenden Lederstreifen mitsamt dem anhaftenden Leim vom Blasebalg abgeknappert. Der Vater überschüttete die ausgehungerten Mäuseverrecker mit nicht schönen, der Heiligkeit des Ortes unangepassten Schimpfworten; er mißgönnt ihnen ihre einzig erreichbare animalische Kost. So wurden die Eingeweide des Harmoniums rausgenommen und die schadhaften Stellen des Blasebalgs mit heißem Tischlerleim bestrichen und durch weißes Schafleder verklebt.

Am Festtag frühmorgens um sieben Uhr zum Amt erklang das alte Harmonium zum Lied in schöner alter Kirchentonart: 1. Sanct Anna, Mutter groß Was trägt dein reiner Schoß Für köstlich Edelsteine? Von Gott bist du erwählt, Daß du den Schatz der Welt Gebarst du Jungfrau reine!

2. 0 du viel schöner Gart' Was trägst du Blümlein zart Sehr lieblich anzusehen. Was für ein süß' Geruch Kann dich nicht preißen g'nug Der nimmer wird vergehen!

3. 0 Baum im Paradeis, Der wunderbarer Weis Das Leben uns gegeben. Da wir durch Adams Fall In Sünd' verdorben all, Bring du die Frucht des Lebens

4. Du hast hervorgebracht An der Gott seine Macht Und Wunder wollte zeigen, Ein' Jungfrau nicht allein, Sie sollt' auch Mutter sein, Der sich die Engel neigen.

5. Dein Kind Maria ist Die Mutter Jesu Christ Des Heilands dieser Erden. Was du durch dein Gebet In unsrer Not erfleht; Hilf, daß wir selig sterben.

6. Dir sei Lob, Ehr und Dank All unser Leben lang, Daß du uns hast geboren, Ein' solche Perl' und Kron', Die durch den lieben Sohn Zurecht bracht, was verloren.

7. Dein Kind ist also gut, Was Gott verstoßen tut, Es wieder ihm versöhnet. Von dir kommt diese Gnad' Drum dank dir früh und spat. Durch alle Welt ertönet.

8. Es kann ja fehlen nicht, Was Christus selber spricht, Die Frucht den Baum lehrt kennen. Ist denn dein Kind so süß? So ist auch das gewiss, Daß du vor Lieb' mußt brennen.

9. Du reichest deine Hand; Dem, der sich zu dir wandt, Um Hilfe zu begehren. Darum, o Mutter groß, Flieh'n wir zu deinem Schoß. Hör unser Fleh'n und Zähren.

Der Festgottesdienst um neun Uhr wird mit Predigt und Hochamt jeweils in der Pfarrkirche abgehalten, da die Anna-Kapelle die Pfarreiangehörigen nicht fassen kann. Zu Nachmittagsandacht um 14 Uhr kommen alle wieder in und um die Kapelle; wie ein Bienenschwarm um ihre Königin, so scharen sich die Andächtigen um ihr Heiligtum. Wenn der amtierende Pfarrer vom Altar weggeht und die Kirche verläßt, verharren die Beter noch lange in Andacht. Dann beginnt erst der Volksgesang alter Wallfahrerlieder.

Wie vordem sein Vater, so waltete noch vor Jahren der Hubenberger Neuner‘s Hans-Görg als kleiner Rector ecclesiae seines Amtes. Wir Buben belegten ihn daher mit dem Titel und Rang des Hubenberger Pfarrers und beförderten ihn auch später, als er grauhaarig geworden, zum geistlichen Rat. Er begann mit dem Vorbeten der acht Seligkeiten! Mit gespitzten Ohren erwarteten wir nach jeder Strophe den Refrain, den er mit gehobener, erhabener Stimme, sämtliche "eu" feierlich wie "ei" aussprechend, vortrug:

"Reine Herzen! freiet eich!
Eier ist das Himmelreich!"

Zuletzt aber wurde und wird heute noch ein altes Lied, eine Legende, gesungen.

1. Ach sei unendlich mal In deinem Gnadensaal! Von allen guten Eltern An allen Ort' und Enden Sanct Anna sei gegrüßt, Großmutter Jesu Christ!

2. Wer dich all' Dienstag ehrt Der wird von Gott erhört. Die Mirakel sind die Proben, Die dich unzählbar loben. Sanct Anna Lob und Ehr' Will singen mehr und mehr!

3. Im dreiunddreißigsten Jahr, Im Marianischen Neustadt war: Ein Mädchen von acht Jahren Hat große Gnad erfahren, Weil es von Jugend an Sanct Anna ehrte schon.

4. Ihre Eltern hatten auch Den löblichen Gebrauch All' Dienstag zu verehren, Sanct Anna Lob zu mehren; Denn wenn die Wurzel grünt, Der Baum gut‘ Früchte bringt!

5. Am Sonntag Nachmittag Das Mädchen wie ich sag, Sprach: "Vater, laß mich gehen, In die Kinderlehr' will ich gehen Daß ich bekomm ein Bild, Worauf Sanct Anna mild".

6. Das Mädchen ging voll Freud In die Kirch allbereit. Es ist ihr auch gelungen, Ein Bild hat sie bekummen, Worauf Sanct Anna war, Das hielt sie wert und rar.

7. Doch weh' der kurzen Freud Bald folgt darauf ein Leid' Unterwegs wollt's Bild beschauen, Der Wind mit seinen Klauen Hat ihr das Bild entführt; Das Mädchen stand dafür.

8. Sie sah das Bildelein Fallen in den Brunn hinein, Dem Brunn sie zugeloff‘n, Derselbe der war offen, Das liebe Mägdelein Fiel in den Brunn hinein.

9. Leider, erbarm es Gott, Was Trübsal, Angst und Not Ihr lieben Eltern kommen, Die Händ‘ schlugen sie zusammen; Zehn Klafter tief der Brunn' Das Kind muß kommen um!

10. Wieviele hundert Leut' Beim Brunnen auf der Seit' Erwarten da das Ende. Ein Bergmann war behende Fuhr in den Brunn' hinein Und holt das Mägdelein.

11. Wie er hinunterkam, Ein Glanz dann schien ihn an. Das Mädchen tat er sehen Auf dem Brunnen herumgehen. Das allerliebste Kind Zeigt dem Bergmann sein Bild.

12. Der Bergmann sprach: "Mein Kind! Ich dich lebendig find? Aus dem Brunn' hat er geschrien Man soll ihn herausziehen. Das allerliebste Kind zeigt dem Bergmann sein Bild!

13. Wie man das Mädchen fragt Hat es frei ausgesagt, Eine Frau war bei ihr gewesen Gar wunderschön, auserlesen Hat mir das Bild gereicht Den ganzen Brunn' erleucht.

14. Jesus Maria rein, Sanct Anna Mutter mein, Ihr heiligen drei Personen Im Tod tut mir beiwohnen. Vermacht im Testament Meine Seel' in eure Händ‘

Nun wurden die Kerzen am Altar ausgelöscht: die Andächtigen zerstreuten sich. Aber in den Garten und Kellerwirtschaften, auf der Post und Fritzen-Kegelbahn klapperten bis tief in die Nacht hinein Kugel und Keile. Acht Tage lang hörte man noch zur Frühmesse die hellen Glöckchen läuten, die dann wieder auf ein Jahr verstummen. Ja, auch unsere Mutter ließ in dieser Woche ein Amt zu Ehren der hl. Sanct Anna zelebrieren und alle Angehörigen mußten zugegen sein. Nachher fand dann im elterlichen Haus ein feierlicher Kaffeetisch statt. Der amtierende Priester und der alte Mesner Georg Adam Huppmann waren dazu eingeladen. Wir Kinder freuten uns stets auf die originellen Redensarten des Kirchners. Wir wussten, nach dem ersten Schluck aus der Kaffeetasse kam unweigerlich der von ihm profanisierte Spruch, dem meist der Geistliche nicht so gesonnen war:
"Kaffeela, dir leb ich
Kaffeela, dir sterb ich
Kaffeela, wenn ich dich net hätt'
wär ich tot und nicht mehr lebendig"

Im väterlichen Nachlaß fand ich ein von einem Schwessinger handgeschriebenes Heft von 1889 "Beschreibung der St. Anna-Kapelle in Waischenfeld aus dem Jahre 1835". Daraus möchte ich zum Schluss einige interessante Begebenheiten um die damalige Anna-Verehrung anführen:

Die Kapelle soll schon Ende des 13. Jhd. erbaut worden sein, als Schlosskirche der Schlüsselberger. Früher war die Kapelle, um mehr Gläubige zu fassen, mit einer Empore versehen. Ab 1509 wurden aus Stiftungen und Opfern der Besucher Reparaturen in und an der Kapelle ausgeführt und auch Paramente (KirchenGewänder) angeschafft. In früheren Jahrhunderten stand auf dem Altare eine Holzfigur der hl. Anna vielleicht eine der noch vorhandenen gotischen Holzskulpturen Anna selbtritt. Dies geht auch aus folgender Schilderung hervor. Gegen das Jahr 1775 wurde heimlicherweise von einem wahnsinnigen Schreiner Bogner aus Trockau aus der Kapelle durch einsteigen durch das Fenster das Patronatsbild St. Anna vom Altar abgenommen und nächst der Hammermühle in den an das Kruzifixbild anstoßenden Garten in einem Rübenloch versteckt. Es wurde aber sogleich wieder aufgefunden und heimlich in die Kapelle gebracht und ist heute noch der Gegenstand der Verehrung frommer Gläubiger.

Das jetzige Altarbild kam erst gerade vor hundert Jahren auf den Altar. Der damalige Pfarrherr Michael Störcher, der von 1859-1864 in Waischenfeld war, hat es gemalt und gestiftet. Aus den weiteren Aufzeichnungen geht hervor, daß das Anna-Heiligtum in damaliger Zeit als Gnadenort für Wallfahrer und Hilfesuchende bekannt war. Die heilige Anna wird besonders als eine Nothelferin in Geburtsnöten verehrt. So erfahren wir, daß die Frau des königlichen Herrn Rentbeamten Hornberg dahier das Unglück hatte die Kinder tot zu gebären, sie konnte daher nichts sehnlicher wünschen, als sich im Besitze eines Leibeserben zu erfreuen. Sie schenkte daher ihr Zutrauen der Fürbitte der hl. Anna und erlebte die Freude in Waischenfeld im Jahre 1824 von einem gesunden Knaben glücklich entbunden zu werden. Was konnte nun den edlen Eltern erfreulicher sein als dieser Segen des Himmels. Aus hl. Antrieb ließen sie daher in der St. Anna-Kapelle ein festliches Hochamt halten - pfündige weiße Kerzen loderten am Altar und ein Kleid von rotem Samt mit Goldperlen besetzt, verzierte das Bild der hl. Patronin. Das sämtliche Amtspersonal hat diesem Feste des Dankes mit inniger Freude beigewohnt.

Noch bis zum Ende des 18.Jhd. herrschte der Brauch, bei Hochgewitter das große Anna-Glöckchen zu läuten, damit dadurch die hiesige Einwohnerschaft der Fürbitte der hl. Anna anflehte daß die hiesige Flur von Gewitterschaden befreit bleiben möchte. Allein später wurde nach einer allgemeinen höchsten Verordnung der Gebrauch, bei Gewitter zu läuten, gänzlich aufgehoben. Im Jahre 1834 wurden von dem bürgerlichen Lederhändler Georg Kellermann zu Wien in Österreich, aus Waischenfeld gebürtig, 120 Gulden Kapital der Annakapelle geschenkt. Ein Teil des Geldes wurde zu Kapital angelegt und von dem Interesse jährlich eine hl. Messe zu Ehren der hl. Anna gelesen. Der übrige Geldbetrag wurde dem Willen des Stifters Kellermann gemäß zu dringenden Baureparaturen für den mangelhaft gewordenen Turm und das Dach verwendet. Der Stifter Kellermann ist in Waischenfeld Hs. Nr. 67 (heute das Geschäftshaus Gardill) 1790 geboren und nach Wien abgewandert, wo er es zu Wohlstand und Ansehen gebracht hat. Er starb in Wien 1850. Seine Schwester Elisabeth war die Ehefrau des Lehrers Georg Schilling wohnhaft Hs. Nr. 87. Von einer Verehrerin der hl. Anna wurden neue Kirchenstühle im Jahre 1882 gestiftet, die vom Schreiner Adam Hofknecht angefertigt wurden. Die gleiche Person schenkte auch zwei Ölgemälde, St. Josef und St. Joachim im folgenden Jahr. 1838 wurde auch ein Anna-Verein ins Leben gerufen. Der Beitrag betrug monatlich 10 Pfennig. Ein Wohltäter aus Saugendorf schenkte der Kapelle einen Kronleuchter im Jahr 1885. Im folgenden Jahr wurde das Harmonium angeschafft.

Aus: FSV- Heft 2/1961

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Der Pfeifersbader von Waischenfeld

Das war ein angesehener Mnn, der über einen großen Kundenkreis verfügte, nicht so sehr als Bader, als Rasierer und Haarschneider, sondern in der Hauptsache als Bauerndoktor, als Kurpfuscher. Er machte seine Sache gut und verlangte bei weitem nicht so viel Honorar wie der Doktor, obwohl dieser den Waischenfeldern entgegenkam so gut es ging. Aber so ein ländlicher Kurpfuscher hat halt überall sein Publikum und so war es auch beim Pfeifersbader in Waischenfeld.

Zähne konnte er ziehen wie kein zweiter, in dieser Beziehung war er für den Waischerfelder Zahndoktor eine böse Konkurrenz, Außerdem war er sehr beliebt als Witzbold, als Humorist. Ein Jäger war er auch, der Pfeifersbader; seine Reviere bei Nankendorf und Löhlitz waren nicht die schlechtesten im oberen Wiesenttal.

Eines Tages geht er wieder einmal auf die Jagd gen Nankentorf. Hinter dem Schlösslein Gutenbiegen, daß schon lang eine Mühle ist, begegnet ihm ein Bauer aus Hannberg. Wie der den Pfeifersbader sieht, schreit er schon von weitem: "Boda, du kummst mer grod recht, i wollt eben zu Dir zum Rasiern. Kehrst um mit mir noch Wäschafeld? "Na, na, sagt der Bader, dazu hob i jetz ka Zeit, i muß auf di Jachd. Hock di ner daher auf den Sta i rasier di scho!

Und so geschah es auch. Der Hannberger setzte sich auf einen am Weg liegenden großen Felsblock, der Pfeifersbader legte Drilling und Jagttasche weg, bereitete sein Rasierzeug aus, holt Wasser von der nahen Wiesent, schlug den Schaum und war schon in bester Arbeit, dem Hannberger sein Gesicht abzukratzen als er plötzlich mitten drin inne hält. Denn am Waldrand hatte er einen Hasen ergattert. Aus wars und g'schehn auch schon!

Denn der Pfeifersbader ließ den Hannberger mit der noch unrasierten einen Gesichtshälfte sitzen und schrie ihm zu: "Geh' nach zu meiner Fraa die rasiert dich zu End"! Sprachs und lief davon, mit der Flinte dem Hasen nach.
Da er lang nicht zurück kam, blieb dem Bauern nichts anderes übrig, als nach Waischenfeld zu laufen und sich von der Frau des Pfeifersbaders die andere Gesichtshälfte rasieren zu lassen.

Aus: Sieghardt August, Lachendes Frankenland, Bay. Verlagsanstalt Bamberg 1951. Seite 23-24.

 

     


Waischenfelder Pöpl


Der ANNA-Tag zu Waischenfeld

 Stadt Waischenfeld, Marktplatz 1, 91344 Waischenfeld