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 Kriegsereignisse in Waischenfeld

Die Fränkische Schweiz feierte 1997 das Jahr der "Burgen, Ritter und Dörfer". Unter diesem Motto sollte an jene Zeit des Hoch- und Spätmittelalters erinnert werden, in der das Geschlecht derer von "Schlüsselberg" und hier besonders Konrad II. "Gebieter" über weite Teile der Fränkischen Schweiz und darüber hinaus war. In Waischenfeld hatten sie, neben der Burg Neideck, ihren Hauptstammsitz, den sie nach einhelliger Fachmeinung von den Herren von "Waischenfeld" ererbten. Das Geschlecht derer von Waischenfeld gab dem Ort seinen Namen, oder umgekehrt, keiner weiß das so genau. Sie sind unfreiwillig "schuld" daran, dass der Ort so alt ist. Man sieht es Waischenfeld nicht an, dass es eine "schwere Zeit" hinter sich hat, geprägt von Kriegen und Plünderungen.

Das "finstere" Mittelalter, also die Zeit etwa zwischen 500 und 1480 nach Christus ist eine Epoche voller Widersprüche, Geheimnisse und Mythen. Während die Wissenschaftler (Mittelalterarchäologen und Historiker) heute um Aufklärung und realistische Darstellung des damaligen Lebens bemüht sind, sah die romantische Zeit des 18. und 19. Jahrhunderts das Mittelalter als Idealzeit der gläubig - ritterlichen Gemeinschaft an. Schriftsteller und Künstler wie Ernst Moritz Arndt oder Ludwig Richter, aber auch die beiden Erlanger Studenten Wackenroder und Tieck sorgten vor über 200 Jahren mit ihrer fantasiereich verklärten Ansicht des Mittelalters unter anderem dafür, dass die Fränkische Schweiz mit ihren zahlreichen Burgen und Ruinen als "romantische Tourismusregion" einige Bekanntheit errang und die bis heute noch steigern konnte. In neuerer Zeit gibt es allerdings auch Fachleute wie Heribert Illig, die mangels Beweisen von einem "erfundenen Mittelalter" ausgehen und am liebsten die Zeit zwischen 600 und 900 aus dem Kalender ersatzlos streichen würden.

Nun, der Waischenfelder Geschichte könnte die Streichung nichts anhaben. Sie reicht in der Fantasie der Heimatfreunde zwar auch bis in Jahrtausende alte Zeiten zurück und es gab schon Grabungsfunde (zum Beispiel in der Schäfershöhle), die auf eine erste Besiedlung schon in der Steinzeit hindeuten. Die schriftlich nachweisbare "Geschichte" Waischenfelds beginnt wie überall allerdings erst mit der frühesten Nennung in einer Urkunde. 1122 unterzeichnete "Wirint von Wischenvelt" einen Übergabevertrag an den "Altar des heiligen Michael auf dem Berg zu Bamberg" in dem festgehalten war, dass sein gesamter Besitz an den Klerus übergehen sollte, wenn sein Knabe Konrad das Leben ohne Erben beschließe. Da in dieser Urkunde auch der Ort "Heroldsberg" bei Waischenfeld genannt wird, gilt dieses Schriftstück bis heute auch als erste Erwähnung für den Waischenfelder Ortsteil Heroldsberg.

Der junge Konrad konnte die Übergabe verhindern, in dem er männliche Nachkommen zeugte. Einer davon war laut Burgenforscher Gustav Voit, Ulrich von Waischenfeld, der nach 1216 seinen Besitz an die Brüder Eberhard III. und Ulrich III. von Greifenstein "vererbte" und damit dafür sorgte, dass die "Schlüsselberger" in Waischenfeld und der Fränkischen Schweiz Fuß fassen konnten. Dieser weit verbreiteten Meinung widerspricht allerdings die Nachforschung des Schweinfurter Namensforschers Franz Scherhauser, der schon 1958 in den Matrikeln der Universität Wien herausfand, dass dort 1387 ein "Cunradus" und 1418 ein "Johannes de Weyschenfeld" immatrikuliert waren. Es könnte also auch gut möglich sein, dass die Waischenfelder ihren Besitz an die Greifensteiner Brüder verkauften, verpfändeten oder gar verschenkten, aus welchem Grund auch immer.

Jedenfalls baute sich Eberhard III. oberhalb der Pulvermühle eine kleine Burg und nannte sich ab 1219 "von Schlüsselberg". Bis 1348/49 blieb Waischenfeld in Schlüsselberger Besitz und wurde 1315 zur Stadt erhoben. Mit dem gewaltsamen Tod Konrad II. ging der weitläufige Besitz auf das Hochstift und die Markgrafen über, Waischenfeld wurde wichtiger "Grenzstützpunkt" des Bamberger Fürstbischofs. Zahlreiche "Bistums(grenz-)steine" in der Flur um Waischenfeld zeugen noch heute davon. Die kriegerische Zeit war damit allerdings noch lange nicht zu Ende. In den Jahren 1524-26 erhoben sich die Bauern auch in Franken, um gegen das mittelalterliche feudale System zu kämpfen, welches ihnen hohe Abgaben und Steuern aufbürdete. Der "Bauernkrieg" wurde zwar überall niedergeschlagen, hinterließ allerdings auch in Waischenfeld seine Spuren. So soll der "Steinerne Beutel", Wahrzeichen Waischenfelds, sowie das Rüssenbacher Burggut zerstört, die Burg Waischenfeld jedoch davon verschont geblieben sein. Schlimmer erging es Waischenfeld einige Jahre später im sogenannten "zweiten Markgrafenkrieg". Wie Dr. Heinrich Grimm in den "Fränkischen Blättern" 1954 berichtete, wollte Markgraf Albrecht Alcibiades ein "Hohenzollerisches Herzogtum Franken" errichten und führte deshalb Krieg vor allem mit dem Hochstift Bamberg. Im Mai 1552 nahm er Waischenfeld erstmals in Besitz, verlor es im Herbst gleichen Jahres wieder an das Hochstift, nahm es im Januar 1553 erneut und verlor es wieder im Februar an Bamberg. Am dritten März eroberten die Markgrafen Waischenfeld endgültig, Hauptmann Paulus Herdegen plünderte die Stadt und setzte sie am siebten Juli 1553 in Brand.

Als Augenzeugin berichtete eine Klarissennonne später, dass die "Stat Weischenfelt, das merenteilß als nemlich über 80 Heuser, auch das Rathauß, sampt den Preuheusern" abgebrannt sind. Noch schlimmer erging es dem Ort knapp 100 Jahre später. Die Schweden kamen für 30 Jahre ins Land, um die Reformation voranzutreiben. Sie versuchten einige Male vergeblich, die Waischenfelder Burg einzunehmen und revanchierten sich schließlich am neunten August 1632 mit Brandschatzung. In den Beschlussbüchern des Domkapitels von 1661 wurde über diesen "Vorfall" lapidar vermerkt: "Ist also die ganze Stadt Waischenfeld außer Kirche und Schloss in Asche gelegt worden. 149 Häuser, 78 Städel".

Wieder dauerte es knapp hundert friedliche Jahre, bis Waischenfeld von Soldaten "heimgesucht" wurde. Die Preußen kamen wiederholt ins Land des Bamberger Hochstifts. Ein Major Egerland, so vermerkten die Geschichtsschreiber, hatte sich zwischen dem 15. und 24. Mai 1759 in Waischenfeld häuslich niedergelassen. Er hatte eine Abteilung Kürassiere mit 150 Pferden dabei, die nichts lieber taten als zu plündern. Ihre Aufgabe bestand darin, Lebensmittel für die Truppe zu "sammeln". In einem Dekret an die Ämter Pottenstein, Gößweinstein und Waischenfeld befahl der Major, dass jeweils "980 Scheffel Hafer, 357 Zentner Heu, 33 Schock Stroh, 18 fette Ochsen, 18 Fass Bier, 20 Hühner und 120 Pfund Butter" von den drei Ämtern abgeliefert werden sollten. Für das Amt Waischenfeld bedeutete die Plünderung einen Schaden von 24 000 Gulden, nebst Lebensmittellieferungen im Wert von 8100 Gulden.

Auch diese Besatzungszeit ging vorüber, nach den Preußen kamen die Franzosen ins Land. Napoleon sorgte dafür, dass Waischenfeld zum 22.11.1802 bayerisch wurde. Auf der Rückkehr in die Heimat kamen russische Truppen, die zusammen mit den Preußen Napoleon besiegt hatten (nach Adalbert Hollfelder etwa 3600 Mann) 1815 auch durch die Fränkische Schweiz und Waischenfeld. Manch einer der Soldaten erlag hier seinen Krankheiten oder Verletzungen. Die "Russenlinde" mit der Gedenkmarter bei Breitenlesau erinnern noch heute an diese turbulente Zeit. Drunter und drüber verlief auch jener denkwürdige Tag vor über 50 Jahren. Am 14. April 1945, einem Samstag, marschierten die Amerikaner in Waischenfeld ein. Michael Arneth war ihnen Richtung Nankendorf mit einer weißen Fahne entgegengeeilt, der Stadt blieb damit die Zerstörung erspart, obwohl sich hier zum Schluss des zweiten Weltkrieges Hitlers "Ahnenerbe" befand. Sie ergab sich kampflos, trotz Panzersperre am "Eselsteg", trotz kleinerer Scharmützel der Amis mit der Nazi- SS. Mehr als 875 Jahre schriftlich nachweisbarer Geschichte sind an Waischenfeld vorüber gegangen, ohne sichtbare Zeichen zu hinterlassen. Die heutige Burg stammt aus dem 18. Jahrhundert, der steinerne Beutel auch. Die Stadtmauer (1820 noch über 1500 Meter lang) samt Stadttoren fiel der regen Bautätigkeit des 19. Jahrhunderts zum Opfer. Nicht einmal das alte "Rentamt", (gebaut nach PLänen des Architekten Dientzenhofer) in dem einstmals das Ahnenerbe untergebracht war, steht mehr. Waischenfeld entwickelte sich zu einem "sozialen Kunstwerk", wie Anton Sterzl kürzlich formulierte, die "Wäscherfelder" zu einer "einmaligen menschlichen Rasse". Wollen wir hoffen, dass kein weiterer Krieg kommt und daran etwas ändert. (Reinhard Löwisch)

 

     


 Stadt Waischenfeld, Marktplatz 1, 91344 Waischenfeld