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Aufforstungen um Waischenfeld im 19. Jahrhundert

von Reinhard Löwisch

WAISCHENFELD. Am 18. Juni 1839 feierte Waischenfeld ein besonderes Fest: die Einweihung einer Gedenksäule an der Galgenleite. Mit dem "Kremer Monument", wie es heute noch im Volksmund genannt wird, würdigte die Gemeinde damals das unermüdliche Engagement eines Mannes, der zwischen 1822 und 1833, Stadtpfarrer in Waischenfeld war.

Ungewöhnlich ist die Tatsache, dass diese Auszeichnung nicht der seelsorgerischen Leistung, sondern der Waldpflege des Herrn Hochwürden galt. Friedrich Kremer begann 1829 aus der (Holz-) Not heraus, öde Gemeindeflächen auf eigene Kosten mit schnell wachsenden Nadelhölzern aufzuforsten. Damit setzte er eine Entwicklung in Gang, die dazu führte, dass die Gegend um Waischenfeld einen heute noch reichen Bestand an Wäldern aufweisen kann.

"Wäschenfeld: die rauhe und wilde Gegend umher schaut wie die Nachgeburt des alten Chaos und Crebus aus, in so mancherley Gruppen und Klumpen sind die grauen Kalksteine hingeworfen, ohne alle Verhüllung und Bekleidung ihrer traurigen Nacktheit", hielt Ernst Moritz Arndt über seinen Besuch in Waischenfeld 1798 fest. Er beschrieb damals einen Zustand, der in der gesamten Fränkischen Schweiz zu jener Zeit "typisch" war: die Holzarmut. Wer oder wie sie verursacht worden war, kann man nur vermuten. Sicherlich spielten die Brandschatzungen des Schwedenkrieges (1618-48) und der damit verbundene Neuaufbau ganzer Dörfer eine Rolle und die Tatsache, dass es im 18. Jahrhundert überwiegend langsam wachsende Laubwälder gab. Größere Waldkomplexe befanden sich fast nur im Besitz alteingesessener Adelsgeschlechter, die das Holz verkauften. Die gemeindlichen Flächen waren oft von den Bewohnern aus Mangel an eigenem Holz "geplündert" worden, die entstandenen Lichtungen nutzten die Bauern zur Hut. Daher waren gerade "kleine Leute" gegen die Aufforstung, befürchteten sie doch eine Verringerung der Weideflächen und damit finanzielle Verluste.

Hinzu kam die Tatsache, dass der Waldboden jener Zeit wie "ausgefegt" war; die am Boden liegende Streu fand Verwendung im heimischen Stall - und den gab es damals in jedem Haus. Dadurch unterband man allerdings die natürliche Vermehrung des Waldes. Diese Situation fand Pfarrer Kremer vor, als er anfing, die Holznot zu bekämpfen. Als Sohn eines Försters war er mit der Aufzucht und Pflege eines Waldes wohl vertraut. Natürlich hatte er auch einen gewissen "Bonus", ein Pfarrer genoss damals noch einige Privilegien. Trotzdem kam es in der Folge des öfteren zu "Sabotageakten" in den neu angelegten Forstgebieten, wie aus gemeindlichen Strafakten hervorgeht. Geholfen hat das freilich nicht; wer erwischt wurde, musste Strafe zahlen und den Schaden wieder gut machen. "Im Jahre 1829 wurde ein Berg, die so genannte Galgenleithe, zirka 40 Tagwerk groß, welche früher als Viehweide benützt wurde, unter Leitung des Pfarrers Kremer und auf seine Kosten teils mit Fichten- teils mit Föhrensamen besät", dokumentiert das Gemeindebuch jener Zeit die Anfänge des Aufforstens.

Schon ein Jahr später "wurde die so genannte Löhlitzer Landsgemeinde (zirka 60 Tagewerk) wieder als Gemeindeguth zusammengeworfen und ebenfalls von Pfarrer Kremer mit Föhren, Fichten und Erlen bepflanzt", berichtet die Chronik weiter. Auch hier trug Kremer den Großteil der Kosten in Höhe von 130 Gulden. An die 100 Tagwerk Wald legte Pfarrer Kremer innerhalb kurzer Zeit an. Nach dem Weggang Kremers als Stadt-pfarrer nach Scheßlitz (1933) führten Bürgermeister Lauer und Rentamtmann Appel die Aufforstungen weiter.

1836 hielt die Gemeinde in einem Protokoll fest, dass noch immer "ein wahrhaft schmerzlich empfundener Mangel an Brennholz für die Gemeindemitglieder besteht", weshalb die Aufforstung gemeindlicher Flächen weiter betrieben wird, "um die Nachkommen wenigstens nach 30 Jahren in sorglosere Verhältnisse zu setzen". 1837 kam der Hang gegenüber der Pulvermühle mit Fichten- und Föhrensamen an die Reihe, 1838 "sechs Tagwerk ödes Land beim Wasserteich". In die gleiche Zeit fällt die Aufforstung der "spitzigen Leithe bey Zeubach". 1839 bestückte man das "Fuchsloch" mit Föhren, 1840 wurden in der "Landsgemeinde" weitere 2100 Erlen "und einige tausend Fichtenstämmchen" gepflanzt. 1841 forstete Bürgermeister Lauer "die so genannte Hammermühlleithen allda, vier Tagwerk groß" mit Birken auf. 1843 kam die "Harletsteinleithe vis-a-vis vom Rentamt" an die Reihe, 1852 "die so genannte Langenloher Leithe". 1853 hielt das Gemeindebuch eine Aufforstung im Rabenecker Tal fest, 1855-58 die des Buchbergs. Doch damit gab man sich in der Gemeinde noch lange nicht zufrieden. Auch Obstbäume wurden in großen Mengen gepflanzt. Zum Beispiel im Jahre 1836. Zwischen dem "Eselsteg" und der Hammermühle pflanzte die Kommune "96 wilde Obstbäume auf beiden Seiten der Straße", die die Gemeinde im Jahr darauf veredeln ließ.

Ein Jahr später verlängerte man diese "Allee" zwischen bis zur Pulvermühle mit 60 weiteren Obstbäumen. Auf der gleichen Strecke wurde der "kahle Bergabhang rechts der Straße durchgehend mit 180 veredelten und 1100 wilden Obstbäumen" bepflanzt. Auch sie wurden nach und nach veredelt. Die Aufforstungsarbeiten verrichteten meist Gemeindemitglieder im "Frondienst". Mit ihrer Tätigkeit "bezahlten" sie fällige Gemeindesteuern. Es geht auch die Sage um, dass anfangs Schulkinder im Auftrag Kremers den Baumsamen ausbrachten. Es fand sich allerdings kein Hinweis darauf in den Gemeindebüchern. Um die Aufforstungen zu schützen, erließ die Gemeinde 1836 eine 14 Paragrafen umfassende Verordnung, in der "die nunmehrige Benützung und Bewirtschaftung der gesamten Gemeindegründe" ausführlich geregelt war. Ein Kulturausschuss wurde gebildet, der so genannte "Siebener-Rat". Er hatte die Aufgabe, bei Grenzstreitigkeiten (1850 wurde auch das Gebiet um Waischenfeld amtlich vermessen) und Schadenersatzansprüchen vermittelnd zu wirken. Da die Gemeinde Waischenfeld seinerzeit nur wenig eigenes Kapital hatte, war sie beim Kauf des Baumsamens und der Setzlinge auch auf Spenden aus der Bevölkerung angewiesen. Neben einigen begüterten Bürgern taten sich vor allem Bedienstete des damaligen Rentamtes und die Spitalstiftung als edle Spender hervor.

Und auch die königliche Regierung half mit Steuererleichterungen- und stundungen. Zurück zum eingangs erwähnten besonderen Fest. Nach der Weihe des "Kremer-Monuments" am Fuße der Galgenleite (an der Straße nach Oberailsfeld gelegen) durch Pfarrer Martin Hölzer, anlässlich des zehnjährigen Bestehens der Aufforstungsaktion begab sich die ganze Gesellschaft zu einer Wiese bei der Pulvermühle, um das Ereignis gebührend zu feiern. Bis spät in die Nacht feierte die Bürger das Jubiläum. Und da dieses Fest bei der Bevölkerung so gut ankam, machte man daraus ein jährlichs Volksfest, das "Kulturfest", zu dem viele Jahre lang "Honoratioren" aus dem gesamten Hollfelder Raum kamen und bei dem die Schuljugend kostenlos verpflegt wurde. Das "freye Scheibenschießen", während des Kulturfestes führte man es 1841 ein, war ein Erfolgsgarant des Festes - lange bevor es einen Schützenverein in Waischenfeld gab. Als Hauptpreis winkte dem Sieger eine "von Frau Rentbeamtin Schmid selbst gestickte herrliche Fahne mit den Namenszügen Ihrer Majestäten Ludwig und Theresia".

       

 Stadt Waischenfeld, Marktplatz 1, 91344 Waischenfeld