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Burg Waischenfeld - Geschichtlicher Überblick

Im Raum um Waischenfeld war ein Edelgeschlecht ansässig. Als erster Angehöriger wird während des Investiturstreites am 17. Februar 1079 ein miles Wirint in einem Brief Papst Gregors VII. mit anderen Adeligen der Bamberger Kirche mit der Exkommunikation bedroht, falls er die von Bischof Hermann I. von Bamberg unrechtmäßig empfangenen Kirchenlehen nicht zurückgäbe. Es ist zu vermuten, daß dieser angesprochene Wirint tatsächlich mit dem Kirchenbann belegt wurde. Von der Reue übermannt trat der nobilis homo Wirint de Wischenvelt nach 1112 als Mönch in das Kloster Michelsberg bei Bamberg ein. Dabei vermachte er seine gesamte Herrschaft Waischenfeld dem Konvent, falls sein junger Sohn Konrad ohne Erben aus ebenbürtiger Ehe sterben sollte. Die Burg selbst, auf dem dreieckigen Felsklotz erbaut, sollte abgebrochen werden . . . hoc predium cum urbe destruenda. (Die Bezeichnung urbs deutet an, daß wahrscheinlich damals schon der obere Burghof mit Mauern umgürtet war.) Doch es sollte anders kommen!

1122 löste Wirnts Sohn Konrad I. nach seiner Vermählung mit Agatha von Greifesbach (=heute Graisbach bei Monheim, Schwaben) den schon an das Kloster übergegangenen Besitz wieder aus. Dabei mußte er jedoch nach den Bestimmungen des Vertrags seine Güter zu Neuenhaid und Heroldsberg (beide westlich von Waischenfeld) dem Konvent zu Michelsberg überlassen. Wirnt überließ bei seinem Tode dem Kloster weitere sechs Höfe.

Ulrich von Waischenfeld, der Letzte des Geschlechts, wird zwischen 1163 und 1216 insgesamt 27mal in den Urkunden genannt. Vermutlich war seine Mutter eine Adelsdorf-Greifenstein. So gelangten nach Ulrichs söhnelosem Tod Burg und Herrschaft Waischenfeld an Eberhard III. von Greifenstein. Dieser hatte sofort nach Ulrichs Tod auf dem neugeerbten Grund südlich von Waischenfeld die Burg Schlüsselberg erbaut. Erstmalig am 25. November 1219 nannte er sich zu Nürnberg in einer Urkunde König Friedrichs II. Eberhardus de Sluzzelberch. Waischenfeld war der Mittelpunkt eines Hochgerichtsbezirks (Cent). Offenbar aber schätzte Eberhard III. den militärischen Wert der Burg Waischenfeld nicht allzu hoch ein. Schlüsselberg auf völlig isoliertem Fels mit langgestreckter Vorburg bot bessere Verteidigungsmöglichkeit. Dennoch wurde später der Hauptsitz der schlüsselbergischen Herrschaft auf die Neideck verlegt. Die neuen Besitzer hatten 1243 Waischenfeld sogar an Bamberg verpfändet. Natürlich lösten die Schlüsselberg den Sitz wieder aus.

Konrad II. von Schlüsselberg gewann von König Ludwig am 8. Dezember 1315 für den Ort Waischenfeld Stadtrechte. Jeder Handel im Umkreis von einer Meile um Waischenfeld wurde 1316 vom König verboten. Die neue Stadt zwischen Burg und Wiesent wurde ummauert und mit der Burgbefestigung vereinigt. Zu diesem Zeitpunkt ist die Unterburg mit der Kirche St. Johannes d. Täufer - der späteren Pfarrkirche - und der St. - Anna - Kapelle entstanden. An den gefährdeten Punkten der Burg und der Stadtbefestigung wurde eine Reihe von befestigten Sitzen errichtet. Diese Nebenburgen waren zumeist an schlüsselbergische Ministerialen verliehen. Acht dieser Burggüter sind quellenmäßig überliefert. Eines dieser Schlüsselberger Dienstmannengeschlechter trug sogar den Namen Waischenfeld. Von ihm sind zwischen 1295 und 1360 sieben Personen bekannt.

Nach dem Tode Konrads II. von Schlüsselberg 1347 fielen Burg und Cent Waischenfeld an das Hochstift Bamberg , das hier ein Amt einrichtete. Zwischen 1438 und 1562 war Waischenfeld wiederholt an Adelige (Groß von Christanz, Rüssenbach, Wallenrode (bei Berneck), Wannbach, Seckendorff (Mittelfranken)) verpfändet. Im oberen Burghof errichtete 1399 Heinrich Groß die Großsche Burghut, die jedoch um 1550 schon wieder verfallen war. In diesem Vorhof stand westlich des alten Schlosses auf einem isolierten Dolomitblock der 1444 erstmals genannte scheyblechtener Turm. Dieser Rundturm hatte ein vorkragendes, mit Holz verschaltes Obergeschoß. Im Norden des Vorhofes hatte man das sog. Oberamtsschloß in zwei Stufen 1518/19 und 1589/90 neu erbaut. An der Nahtstelle beider Kemenaten befand sich ein Schneckenturm. Im Südosten des Vorhofes lag die 1444 letztmalig erwähnte Rüssenbacher Burghut.

1430 wurde die Stadt Waischenfeld von den Hussiten verwüstet. Ob die Burg genommen wurde, ist nicht bekannt. Durch eine List der Waischenfelder blieb die Burg mit ihren Burghuten im Bauernkrieg unversehrt. Im Markgrafenkrieg brannten am 7. Juni 1553 in der Stadt 80 Häuser nieder. Im Schwedenkrieg 1632 wurde die Stadt wieder ausgebrannt. Das war wohl der Grund, weshalb die Waischenfelder nach dem Abzug der Schweden über Rabenstein herfielen. Der Wachtturm im Vorhof, der seit 1444 bekannt ist, war bereits 1521/22 baufällig; er wurde erneut 1681 ausgebessert. 1692 errichtete man den Zisternenturm neu. Das alte Schloß diente seit etwa 1600, wie viele andere Burgkemenaten auch, als Getreideboden. Es mußte 1700 mit Eisenstangen zusammengezogen werden. Zwischen 1754 und 1756 wurde das heute noch stehende Oberamtsschloß durch Wenzel Schwesinger aus Waischenfeld völlig neu aufgeführt. Er war u. a. auch der Erbauer von Schloß Trockau und der Kirche von Nankendorf. Der Turm im Vorhof der Burg Waischenfeld mußte 1768/69 abgebrochen werden.

Als das Königreich Bayern das Oberamt Waischenfeld übernommen hatte, standen die Schloßgebäude leer. Der obere Stock des Oberamtsschlosses diente 1815 als Getreideschütthoden; der untere wurde an einen Landwirt verpachtet. Das alte Schloß dagegen wurde teilweise abgetragen und damit zur Ruine. Obwohl sich der Landrichter von Hollfeld sehr für die Erhaltung der Ruine einsetzte, diente sie nun laufend als Steinbruch. 1833 standen nur mehr die massiven Umfassungsmauern, die Gewölbe waren verschüttet. Eine Reparatur erhielt die Ruine bis 1874. Dann stürzten neue Mauerteile ein. 1875 brach man große Teile ab und sicherte den Rest. Doch die Gemeinde Waischenfeld betrieb den gänzlichen Abbruch, der dann 1876/77 und 1889 vollzogen wurde.

Von dem "Alten Haus", der Burg der Edelfreien von Waischenfeld, auf einer etwa dreieckigen Felskuppe über der Stadt steht noch die Futtermauer am Ost- und Südrand mehrere Meter hoch an. Der Felsklotz im Westen der alten Burg, der bis 1768/69 einen runden Turm trug, überragt die Kuppe um fast zwei Meter. Der Turm sicherte den Zugang und war früher durch einen 1695/96 nachgewiesenen hölzernen Brückensteg mit den Burggebäuden verbunden. Den Burgkern aus dem 12. Jahrhundert umgab im Süden und Westen der Vorhof, der vielleicht schon 1112/22 mit der Bezeichnung urbs angesprochen wurde, sicher jedoch ab 1399 belegt ist. Der Halsgraben ist durch aufgefüllten Schutt nur mehr als Mulde erkennbar. Der Westen und Süden des oberen Burghofes wird durch eine starke Wehrmauer mit zwei vorspringenden Rundtürmen gesichert. Von ihnen konnte man den auf dem Fahrweg von der Stadt mit abgewandter Schildseite vordringenden Gegner wirksam unter Beschuß nehmen. Die beiden ruinösen Rundtürme waren ursprünglich zweistöckig und geben noch heute ein schönes Beispiel mittelalterlicher Verteidigungskunst. Das alte Burgtor war einst über einen Holzsteg zu erreichen. Je drei Führungssteine auf beiden Seiten zeigen, daß ehedem an der Außenseite ein Fallgatter vorhanden war. Das Oberamtsschloß am Nordrand des Vorhofes ist das einzige noch erhaltene Burggebäude. Es wurde von der Stadt Waischenfeld vorzüglich restauriert. Von seiner Nordtüre führt ein Weg hinab zum unteren Burghof bei der Pfarrkirche.

Auf einer Felsgruppe im Norden der Hauptburg befand sich ein weiteres Rüssenbacher Burggut, von dem heute noch der runde Burgturm, der Steinerne Beutel, hochragt. Er ist das Wahrzeichen Waischenfelds. Ehedem konnte der Turm nur mittels einer Leiter erstiegen werden. Der Zugang ist im Osten - der Angriffsseite abgekehrt - im oberen Turmgeschoß. Nach den Rüssenbach übernahmen 1580 die Eyb das Burggut. Man hat daher gelegentlich diesen Burgteil als Ruine Eyb angesprochen. Eine Mauer mit Wehrgang stellte die Verbindung beider Burgen her und verhinderte gleichzeitig das Eindringen des Feindes in den nördlichen Graben.

Die Terrasse zwischen Burg und Stadt bildete den unteren Burghof. Das ehemals Wannbacher Burggut ist heute Pfarrhof, das Königsfelder Burggut wurde später Schulhaus. Die St.- Anna-Kapelle, seit 1509 nachgewiesen, ist über einem Karner errichtet. Die Pfarrkirche Sr. Johannes d. Täufer wurde schon von Konrad II. von Schlüsselberg erbaut, im Hussitenkrieg zerstört und 1460 neu geweiht. Gegen die Stadt zu stand ein Rundturm, das heutige Salettchen im Pfarrpark. Das Wannbacher Burggut mußte das obere Tor am Schloßaufgang schützen.

Aus: Gustav Voit, Brigitte Kaulich, Walter Rüfer: Vom Land im Gebürg zur Fränkischen Schweiz - Eine Landschaft wird entdeckt. Verlag Palm & Enke Erlangen 1992.


 

 


     


 Stadt Waischenfeld, Marktplatz 1, 91344 Waischenfeld